Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1921-02-01 · Heft 2 (Februar 1921) · p. 38

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 2 (Februar 1921)
Article
Die Juden in der medizinischen Wissenschaft Deutschlands
Date
1921-02-01
Page
38 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
93% known words query
IRI
…/2316602-2316912-2316914-2358300--31760-2358346
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Im deutschen Reich 38 Nerven feierte, Wohl den bedeutendsten und nachhaltigsten Einfluß auf mich geübt; und wenn wir auf die heutige Medizin blicken, so braucht an ihre dem Judentum entstammenden hervorraaendeu.Vertreter kann: erinnert zu werden, ihre Namen schweben ohnedies auch allen Lippen . . Da dem Juden der Zugang zum Lehramt überaus erschwert wurde, ist es auffällig, wie groß die Zahl der Forscher gewesen ist, die ohne Amt und Würde oft jahrelang der spröden Wissenschaft dienten, ohne Aussicht auf Anerkennung und Lohn. Es liegt fraglos in der Eigenart des Juden, dem Wesen der Dinge nachzugehen, die Rätsel der Natur zu ergründen und mit aualptifchern Geiste den Ablauf der Geschehnisse zu erschließen. Der Begründer derwissenschaftlichenexperimentellenPathologiewarLudwig Traube, der Arzt, der am Krankenbett die Leiden mit aller Menschenliebe gesehen hatte und nun mittels Versuchen an Tieren das Gesetzmäßige in der Natur zu erforschen lehrte. Traube gelang es, den Zusammenhang zwischen Herz- und Nierenkrankheiien zu erfassen, die grundlegenden Arbeiten über das Fieber zu liefern und die SSirnmg des Herzmittels Digitalis auszuproben. So bedeutsam war Traube, daß man ihr: als ersten Zivillehrer au die bis dahin' reine Militäranstalt der Eharite berief. Die Klarheit naturwissenschaftlichen Erkeunens und Denkens gibt sich noch mehr in dem jeder praktisch auswertbaren Medizin abholden Leipziger Pathologen Cohnheim, dem größten der Virchowschen Schüler. (Als dem.Meister ein Denkmal im Kreise seiner Jünger geschaffen werden sollte, gelang es, ihn auszuschalten. Aber aus der Geschichte ist sein Name nicht zu streichen.) Cohuheims klassische Untersuchungen haben das Rätsel der Entzündung gelöst. Er hat die feinsten Vorgänge, an denen die weißen Blutkörperchen in erster Linie beteiligt sind, so klar ersaßt, daß seine pathologischen Untersuchungen noch heute die bedeutsamste Unter-', läge für alle Erklärungen abgeben. Auch für die Entstehung der Geschwülste hat Eohnheim die erste großzügige und richtige Beobachtung gegeben. Er konnte Nachweisen, daß Umlagerrmg und Versprengung gewisser Keime zur Wucherung und Entartung führen können. Eohnheim war nicht so universell und so glücklich in der Medizin wie Virchow; aber was er arbeitete, war vielleicht tiefgründiger, scharssümiger und noch exakter. Ein universeller fruchtbarer Geist, an dessen vielseitige Entdeckungstätigkeit noch heute allerlei Gebilde, die seinen Namen tragen, erinnern, war der Heidelberger Anatom Henle. Er hat die Schleifen im Nierenbau (und damit deren Mechanismus) gefunden, die Lagerung der Seh-- zellen und den Ablauf des Sehens bestimmt, die feinsten Zellen im Darm (Zylinderepithelien) und damit die Aufnahme der Nahrungsstoffe erklärt, die Haarwurzelscheiden rmkroskopifch gegliedert. Gustav Jakob Heule hatte allerdings, um seine Tätigkeit an einem öffentlichen Institut ausüben 31t können, die Taufe genommen. Bei der Beurteilung der Frage, inwieweit.das jüdische Element in der Wissenschaft Schöpferisches leisten kann, ist auf seine Anführung nicht zu verzichten.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.