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Im deutschen Reich · 1921-01-01 · Heft 1 (Januar 1921) · p. 29

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
27 (1921)
Issue
Heft 1 (Januar 1921)
Article
Vom nationaldeutschen Juden
Date
1921-01-01
Page
29 (sequence 4)
Language
German
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.Vom nationafbcut-fd^Git Juden' 29 zu, mit denen der deutschempfiudende Jude bekämpft werden soll. Wie soll hier ein Zusammengehen möglich sein? Die Jüdischnationalen kommen keinen Schritt entgegen/ können von rhrem Standpunkte aus auch gar nicht entgegenkommen. Wer mit ihnen eine Einheitsfront bilden will, muß also seinerseits entgegenkomnien, das heißt, sein Deutschtum aufgeben. Ich weiß, daß ein Paktieren auf dieser Grundlage für den Centralverein nicht in Frage'kommt. So bliebe also nur der Weg, die Jüdischnationalen zum Deutschtum zu bekehren. Gibt es Menschen, die diesen Weg heute noch für gangbar halten? Von einem jungen Freunde meiner Däche stammt der Ausdruck: das Deutschtum ist ein Erlebnis. Ich liebe sonst dieses Modewort nicht, aber hier trifft es das Richtige, wenn man unter Erlebnis nicht ein Augenblicksgeschehnis, vergleichbar dem Aufspringen eines Ventils, versteht, sondern einen je nach Veranlagung schneller oder langsamer ablaufenden Gefühlsprozeß, der schließlich das Ventil, emporreißt. Wer dieses Erlebnis an sich selbst erfahren hat, weiß, daß man Gefühle nicht verpflanzen kann. Wie wir nationaldeutschen Juden das Deutschtum, so haben die Jüdischnationalen das Judentum erlebt. Respekt vor ihrem Gefühl! Man muß sie bekämpfen, wenn sie uns überheblich in den Weg treten. Aber sie zum Deutschtum zu bekehren, gebe man aus. Auch auf diese Weise läßt sich also die Einheitsfront nicht schaffen. Aber muß sie denn überhaupt geschaffen'werden? Wir haben gesehen, daß alles in Wegfall kommt, was sonst zur Schaffung von Einheitsfronten nötigt. Uebrig bliebe allenfalls die Notwendigkeit,' sich gemeinsam körperlicher Gewalt zu erwehren gegenüber fanatisiertem Pöbel, für, den der Jude eben ein Jude ist, mag er dieser oder jener Gesinnung sein. Aber so weit sind wir vorerst in Deutschland noch nicht und, wenn es einmal dahin kommen sollte, ergibt sich die Einheitsfront von selbst. Ich habe oben schon vom nationaldeutschen Juden gesprochen. Zwischen chm und dem Jüdischnationalen steht jene Gruppe, die ich in meiner Schrift die Zwischenschicht nenne. Der Verfasser der Zeitschau sagt: „Deutschtum und Judentum haben sich in uns zu einer Einheit des Fühlens, des Bewußtseins verschmolzen." Das trifft fast restlos auf den nationaldeutschen Juden zu, nur daß Lu diesem das deutsche Gefühl, die heiße Liebe zu deutscher Heimat und Art, weit das Bewußtsein der jüdischen Abstammung überwiegt. Auch dieses Gefühl läßt sich nicht predigen oder verpflanzen. Man kann es pflegen und stärken in dem, der den Keim dazu in sich trägt, und man kann das Bewußtsein dafür wecken in dem, der das Aufspringen des Ventils noch nicht erlebt hat. Aber man ist nicht schon durch die Geburt nationaldeutscher Jude, wie man deutscher Staatsbürger jüdischen Stammes ist, und man kann es auch nicht durch Üeberredung werden. Wer im Gefühl nicht nätionaldeutsch und nicht jüdischnational ist, der gehört in unserem Sinne zur Zwischenschicht. Gerade die unklaren und zwecklosen Bestrebungen zur Schaffung einer jüdischen Einheitsfront sind bezeichnend für die Unsicherheit des Gefühls, die den Zwischenschichtler - bestimmt.

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