Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1921)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 14 (sequence 1)
- Language
- German
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,14 Im deutschen Reich AMschitm. Die im Wassenring zusammeNgeschlosfenen Studentenverbindungen haben beschlossen, jüdischen SLudentsnverbinduugen mit der Waffe keine Genugtuung mehr zu geben, da diese Korporationen eine Nachäffung des deutschen Verbindungswesens darstellten (kurz vorher hatten sich dis Burschenschaften — wohlgemerkt die Burfchenschaftsn, dis einstmals die Farben Schwarz-Rot-Gold erkoren hatten — wie auch Teile der farbentragenden katholischen Verbindungen auf das deutschvölkische Prinzip festgelegt). — Die „Deutsche Zeitung" stellt fest, daß ein von einem Bildhauer jüdischen Glaubens entworfenes Denkmal, das in Frankfurt et. M. in Erinnerung an die Kriegsopfer ausgestellt werden soll, nnmöglich sei, da überhaupt ein Jude dem Gedenken an die Toten nicht im deutschen Sinne Ausdruck geben könne. — In der rechtsstehenden Presse gibt Herr Kunze, bekannt unter dem Namen „Knüppel-Kunze", seine Absicht kund, ein „Deutsches Witzblatt" herauszugeben, das gleich seinem „Deutschen Wochenblatt" — manche hatten schon gemeint, dieses sei ein Witzblatt — den Kampf gegen Juden und Judenknechte führen soll. Drei Tatsachen, scheinbar zusammenhanglos und doch nur Glieder einer großen Kette, die sich um die deutschen Juden zu schließen droht. Seit Monaten weisen wir an dieser Stelle imrner und immer wieder darauf hin — aus persönlichen Gründen habe ich heute das besondere Bedürfnis, vor dieser Gefahr noch einmal zu warnen —, daß die antisemitische Bewegung nicht als Haß- und Neidakt des einzelnen gegen den einzelnen angesehen werden darf, sondern daß die Einzelerscheinungen sich verdichten Zu einer großen Campagne einer Gesamtheit gegen die Gesamtheit. Die Studenten wollen den Verbindungen der jüdif^en Kommilitonen keine Genugtuung mehr mit der Waffe g,.mr. Was das heißt, weiß nur der, der studentisches Leben kennt. Bedeutung und Wirkung dieses Beschlusses interessiert uns in diesem Augenblick jedoch weniger als die Begründung, die allein symptomatisch ist. Jüdische Mudentenverbindungen sollen eine Nachäffung deutschen Verbindungswesens fein! In die Sprache des politischen Kampfes übertragen heißt es: wir Deutschen oder wir Arier stehen in allem, was wir tun, so himmelhoch über Euch Semiten, daß Ihr nichts von unserem Tun wiederholen, sondern uns höchstenfalls nachäffen könnt; die tiefe Kluft zwischen uns und Euch besteht; sie soll und darf durch nichts' hinweggewischt werden. Jegliche Gemeinschaft, mag sie auch noch so äußerlicher Art sein, mag sie auch nur darin bestehen, daß Ihr glaubt, uns gleich zu sein,muß abgelehnt werden!