Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1921)
- Article
- Ein Talmudlehrer über das Verhalten gegen Andersgläubige
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 13 (sequence 4)
- Language
- German
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Ein Talmudlehrer über das Verhallengegen Andersgläubige l3 zum Traktat Abodah sarab, Abschnitt I, § 2: „Alles, was in diesem Traktat bezgl. der „Götzendiener" gesagt ist, gilt nur von den wirklichen Götzendienern, und die Völker, in deren Mitte wir jetzt wohnen, sind keine Götzendiener." ... 6. Die bedeutende Autorität, R. Jakob Emden*) erhebt-in dem Buche „Himmelsbrot" zu den „Sprüchen der Väter" IV, 14 feine Stimme mit Kraft und Würde, um uns Lehren darzubieten, die wie die Strahlen der Sonne leuchten, die Heil und Genesung in ihren Fittichen trägt. Um den Leser nicht zu ermüden, wollen wir nur ganz weniges aus seinen Worten anführen. „Im Gegensatz zu den Völkern, die früher existierten, die den wahren Gott nicht anerkannten und daher die Grundlage einer religiösen Lebensauffassung leugneten, die nichts wußten von einem allmächtigen, unvergänglichen Gotte, nichts von Lohn und Strafe in einer künftigen Welt, ist bei den heutigen Völkern der Zweck der staatlichen Vereinigung darin zu erblicken, daß sie sittliche Ziele verwirklichen und die Gottheit unter den Menschen zur Anerkennung bringen wollen. In die fernsten Gegenden tragen sie die Kenntnis von Ihm, um die Kunde zu verbreiten, daß Er der Herr im Himmel und auf Erden ist, Gebieter und Vorsehung, Urheber von Lohn und Strafe. Und so wird durch diese Völker — was sicherlich als ein goLtgefälliges Werk anzusehen ist, — die segsnsvolle Lehre bis in die fernsten Lande am Rande der Erde verbreitet. Darum hat sich auch die auf diesem Prinzip beruhende staatliche Vereinigung bis jetzt erhalten, denn ihre Träger erweisen Ehre dem Gotte der Wahrheit und.seiner Lehre, und sie verbreiten seine Verehrung unter den Völkern, die Ihn nicht kennen und seinen Ruf noch nicht vernommen haben. Darum soll der Wert ihrer guten, auf Gott gerichteten Absicht nicht verkleinert werden, denn „Gott schaut auf das Herz". Auch wird von diesen Völkern große Wohltat dem in der Zerstreuung lebenden Israel erwiesen, denn wenn diese gutmeinenden Völker nicht gewesen wären, schon längst wäre der Funke unseres Daseins erloschen, wäre unsere Hoffnung unter den Völkern, die Israel aus Religionsfanatismus hassen, begraben worden. Welches Glück, daß Gott, um uns zu helfen, aus den Reihen der Christen und Muslimen in jedem Zeitalter hat Gelehrte erstehe^, lassen, die für uns eintraten, weil auch sie an die göttliche Offenbarung glauben, die die Grundlage ihres Religionsgebäudes ist. Insbesondere haben christliche Gelehrte, die die Wahrheit zu erforschen suchten, es ausgesprochen, daß man es uns nicht als eine Schuld anrechnen darf, wenn wir an unserem angestammten Glauben festhalten. Aus diesem Grunde sind sie für uns eingetreten, und es möge ihnen ewig zum Verdienst ungerechnet werden." Nachdem wir vor den Kindern unseres Volkes diese Aussprüche der Wahrheit und des Friedens ausgebreitet haben, die von unseren Weisen, Autoritäten und Führern herrühren, erheben wir unsere Äugen zum Schöpfer und Vater aller Erdenkinder, und in treuer, wahrhaftiger Gesinnung erflehen wir von ihm: daß er unser Auge durch seine Lehre erleuchte und uns auf den.Weg der Einsicht und Wahrheit führe, daß er uns bewahre vor abwegigen Gedanken und bösen Regungen, die zu List, Haß und Verachtung führen, daß er in unsere "Herzen lautere Gottesfurcht pflanze, die Ehrfurcht vor unserem erhabenen und gnädigen Könige, und jene wahre Menschenliebe, die Glück, Segen und Frieden hervorquellen läßt. *) In Altona um 1720.