Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 27 (1921)
- Issue
- Heft 1 (Januar 1921)
- Article
- Zwei "kräftige Irrtümer" im Antisemitismus und Alldeutschtum
- Date
- 1921-01-01
- Page
- 2 (sequence 2)
- Language
- German
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Im be ul (dien R ch Denn schon bei der Ausarbeitung meiner Antwort auf den Angriff, den Delitzsch mit seinem Buch über „Die große Täuschung" gegen die geistesgeschichtliche Autorität der Bibel unternommen hat, habe ich seststellen müssen, daß Neigung zum Antisemitismus den letzten der Beweggründe gebildet hat, aus denen er seine „Kampfschrift" veröffentlichtes. Ferner hat Antisemitismus diejenigen beseelt, welche, wie z. B. E. R. in der „Deutschen Tageszeitung" vom 30. April oder die Verfasser von Artikeln in der „Deutschen. Zeitung" vom 6. Juni und in den „Alldeutschen Blättern" vom 12. Juni, das Buch Delitzschs mit vielen Worten der Anerkennung begrüßt haben. - Wer nun aber vom antisemitischen Standpunkt aus gegen die Bekenner der mosaischen Religion kämpft, der meint, sie mit Rücksicht auf ihre „Rasse" angreisen zu müssen, wie man wenigstens nach dem jetzt herrschenden Sprachgebrauch sagen muß. Der Antisemit meint, den Juden wegen ihrer Zugehörigkeit zur semitischen Menschheitsabteilung den Fehdehandschuh hinwerfen zu müssen. Er vertritt die Ansicht, den Juden als Semiten Minderwertigkeit in bezug auf KulLurfähigkeit und Kulturleistung zuschreiben zu dürfen, wie man es wohl am umfassendsten und kürzesten ausdrücken kann. Deshalb ist die Beziehung von Rasse um d Kultur eines der wichtigsten Themata, die es in unseren Tagen zu behandeln gilt, und aus den oben angegebenen Anlässen muß ich es für meine Ausgabe halten, diesen Gegenstand einer Beurteilung zu unterziehen, um festzustellen, ob nicht auch der antisemitische Standpunkt zu den „kräftigen Jrrtümern" unserer Gegenwart gehört. Die Beziehung v o n R a s s c u n b K u 11 u r. Sta^fci^cn 1. 'Was vor allem das Vorhandensein von Menschenrassen anlangt, so darf es nicht so als fraglich hingestellt werden, wie es neuerdings geschehen ist-). Denn so wenig man das Vorhandensein z. B. von Pferderassen bestreitet und bestreiten kann, ebensowenig auch die Existenz von Menschenrassen. Es gibt solche zunächst wenigstens der Hautfarbe nach. Die llnadie~ öer Verschiedenheit der Hautfarbe ist nicht im Interesse der Beseitigung dieser wesentlichen Verschiedenheit, sondern nur im Interesse der Frage zu erörtern, ob durch die Verschiedenheit der .Hautfarbe die ursprüngliche Einheit der menschlichen Spezies unmöglich gemacht werde. Dies ist aber auch nach den neueren Forschungen nicht der Fall. Nämlich zwar die W ä r m c besitzt nur einen geringeren Einfluß aus das Dunkelwerden der Haut, aber die ch e in t s ch wirksamen Strählen des Lichts. Die dunkle Farbe ist für die chemischen Strahlen undurchdringlich, und außerdem bewirkt das gehäufte Pigment, womit die dunkle Färbung zusamrnenhängt, 2) Siehe seine wörtlich angeführten Aeußerungcn in meiner Gegenschrift: Friedrich Delitzschs „Die große Täuschung", kritisch beleuchtet (erschienen bei C. Bertelsmann; 3,50 M.), S. 3 s., 40, 102 f., HO. Gegen Friedrich Hertz, Rasse und Kultur (1915), S. 8 usw.