Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1920)
- Article
- Eine Akademie für die Wissenschaft des Judentums
- Date
- 1920-12-01
- Page
- 394 (sequence 3)
- Language
- German
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394 Im deutschen- Reich Arbeiten in das allgemeine jüdische Denken und in daZ allgemeine jüdische Bewußtsein hiuüberzulenken. Für den CenLraLverein hat daher diese Verbreiterung der Basis einer wissenschaftlichen Repräsentanz des Judentums eine besondere Bedeutung. Kommt er doch dadurch in die Lage, durch besondere Förderung der apologetischen Arbeiten im Forschungs-Jnstitut sich selbst einen Stamm von auf der Höhe wissenschaftlicher Erkenntnis stehenden Mitkämpfern Zu sichern. _ ' Dr. Bradt. Schule rwd Antisemitismus. Der Verband G r o ß - B e r l i u e r Ortsgruppe u des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens veranstaltete am 24. Nov. im großen Saal des Lehrerveremshauses, am Alexanderplatz, .sine Versammlung, mit der Tagesordnung „Schule und A n t -is e m -i ti s - m u s". Als Redner waren hervorragende christliche Fachleute gewonnen worden. Der erste Referent, P ryf.es.s o v Dr. tzil d e brandt führte aus: Die Bedeutung des Unterrichts für die Erziehung und Entwicklung der Jugend sei groß, wenn man sie auch nicht überschätzen dürfe, da auch das Elternhaus aus das Kind einwirke. Besonders im Religions¬ und Geschichtsunterricht biete sich Gelegenheit, aufklärend und ausgleichend zu wirken, wenn man nämlich in vergleichender Religions- und Kulturgeschichte die Entwicklung der Menschheitskultur als aus gemeinsamen Quellen stammend und in organischer Entwicklung gewachsen darstelle. Führe man die Kinder zum Verstand ms dieser Tatsachen und erwecke man in ihnen Kritikfähigkeit, dann sei das Fundament des Antisemitismus zerstört. Das Bewußtsein des Wertes eines Einanderergänzens solle immer tiefer in Eltern und Kinder eindrrngen und den Antisemitismus überwinden. Nach lebhaften Beifallsäußerungen der Versammlung ergriff Fräulein Oberlehrerin Lydia Stöcker das Wort: Der Antisemitismus in der Schule, eine leider bestehende Tatsache, könne nur dann wirksam bekämpft werden, wenn die Spitzen der Schulen, andere geworden. Den Elternbeiratssitzungen messe sie hinsichtlich der Verständigung zwischen Eltern und Lehrern große Bedeutung bei. Ein schwerer Fehler sei das vielfach mangelnde Selbstbewußtsein der jüdischen Eltern. Der deutschnationale Jugendbunb sei die gefährlichste Organisation bei der Verhetzung der Schuljugend. Die Erziehung müsse als Ziel vor Augen haben: Hinführen vom beschränkten Rassestandpunkt zur Höhe und Weite der Menschheitsidee. (Starker, anhaltender Beifall.) Hierauf ergriff L e h r e r T e w s das Wort zu Ausführungen über das Verhältnis des Antisemitismus zur Volksschule. Die Volksschullehrer, solange als Lehrer zweiten Ranges betrachtet, die Kinder der Volksschulen, Bevölkerungsschichten entstammend, deren eigene Lage eine oft gedrückte sei, sie beide wüßten, wie es dem Zurückgesetzten zumute sei und konnten scharr aus diesem Grunde keine Antisemiten sein. Die Arbeit in der Volksschule bestehe in ihrer Frckhaltung von antisemitischer Infektion. Ein wahrer Patriot müßte um der Würde seines Vaterlandes willen und aus Scham vor dem niedrigen Kulturstande, den der Antisemitismus verrate, diesen ablehnen. An diese mit starkem Beifall aufgenommenen Worte schloß sich eine ungemein lebhafte Diskussion, in der^Eltern und Lehrer Erfahrungen mitteilten und Anregungen gaben. Besonderes Interesse erwecktes die Worte einer früheren Lehrerin an der deutschen Schule in Bukarest, Fräulein Oberlehrerin Gerhardt, die die Opferwilligkeit der jüdischen Bevölkerung in Bukarest den deutschen Kriegsgefangenen gegenübe^nicht laut genug zu rühmen wußte. — Erst der Eintritt der Polizeistunde machte der Versammlung ein Ende, die ebenso wie die in der Philharmonie den Wert derartiger Veranstaltungen aufs deutlichste bewies. _'_ —g.