Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1920)
- Article
- Zur sozialen Hebung des jüdischen Lehrerstandes
- Date
- 1920-12-01
- Page
- 392 (sequence 3)
- Language
- German
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Im deutschen Reich meinben und oft selbst in größeren haben nicht minder zu klagen — Zuteil werden läßt, nützt die Studierstube nichts. Der Lehrer mag sich noch soviel mit Philosophie, wie Br. Spanier in den Vordergrund stellt, /beschäftigen, er wird darum von seiner Gemeinde nicht höher bewertet, sobald sein kärgliches Gehalt ihn dazu zwingt, mit einem zerschlissenen Rock einherzugehen. Ja, er muß unter Umständen zum Schaden noch-den Spott tragen. Der große vaterländische Dichter (Schiller, Die Weltweisen) sagt bekanntlich: „Einstweilen, bis den Bau der Welt Philosophie zusammen- Mlt, Erhält sie (die Natur) das Getriebe durch Hunger und durch Liebe." Nun ist ganz gewiß ein stetes geistiges Ringen und Streben für unserer: Stand erforderlich, erforderlich wie für jeden Stand in seiner Art. Wer für -das, was uns im Augenblick bedrückt und was wir benötigen, ist es nicht das Entscheidende. Uns Lehrern fehlt ein anderes. Uns fehlen zurzeit einige Dutzend mutige, entschlossene Charaktere, die sich nicht fürchten, in allen jüdischen Vereinen und Versammlungen, oder durch sonstiges öffentliches Hervortreten mit Mut und Unerschrockenheit den Leitern der jüdischen Gemeinden und Organisationen ein Spiegelbild ihrer sozialen Ungerechtigkeit vorzuhalten. Leider gibt es statt dessen in unseren Reihen, namentlich unter der älteren Generation, noch zu viele ängstliche und zaghafte Naturen, die eben ihr ganzes Leben hindurch gewöhnt gewesen sind, sich zu ducken und zu beugen, die den Flügelschlag einer neuen Zeit nicht verstehen und sich an den Gedanken nicht gewöhnen können, daß eine andere Generation mit anderem Schritte durchs Leben gehen will. Eine Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Hermann Cohen hat bei seinem Tode zwei Vermächtnisse hinterlassen: a) Sein letztes Buch: Die Religion der . Vernunft, aus den Quellen des Judentums; b) den Gedanken der Akademie für die Wissenschaft des Judentums. Durch die Drucklegung des Buches hat sich die Gesellschaft zur Förderung der Wissenschaft des Judentums einen Ruhmestitel erworben, welcher ihr nicht vergessen werden darf. Den Gedanken der Akademie, welchen Hermann Cohen auf Anregung seines Schülers und Verehrers Dr. Franz Rosenzweig uns hinterlassen hat, hat der zur Verwirklichung dieser Aufgabe gegründete Verein mx Gründung und Erhaltung einer Akademie für die Wissenschaft oes Judentums in die Tat umzusetzen. Hermann Cohens Forderung lautete: Es ist ein fester Stamm jüdischer produktiver Gelehrter zu schaffen und wirtschaftlich so zu stützen, daß diese Gelehrten, unabhängig von der Sorge des Tages, sich ganz ihren Forschungen widmen können, die das Judentum in allen fernen Erscheinungsformen und Auswirkungen betreffen sollen. Der Verein hat seine Aktion am 1. Juli 1919 begonnen mit der Begründung eines Forschungs-Instituts, an welchem zurzeit sechs, ständige wissenschaftliche Beamte arbeiten. Außerdem sind dem Institut durch Subventionen ihrer Arbeiten vier außenstehende Gelehrte, die ihren Hauptberuf an anderer Stelle ausfüllen, angegliedert. Die Arbeiten sind in drei Sektionen begonnen worden: 1. in der historischen, in welcher neben Arbeiten aus altisraelitischern, jüdisch-hellenistischem, mittelalterlichem und neuzeitlichem Gebiet auch Vorarbeiten für die biblische und soziologische Sektion in Angriff genommen worden sind;