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Im deutschen Reich · 1920-12-01 · Heft 12 (Dezember 1920) · p. 390

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 12 (Dezember 1920)
Article
[Ohne Titel]
Date
1920-12-01
Page
390 (sequence 13)
Language
German
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390 Im deutschen Reich Geschwätz und der verhetzenden Propaganda eines Häufleins unverantwortlicher „Führer", die seit Jahren in Verblendung von der russischen Regierung geschickt mißbraucht wurden. Die jüdischen Massen in Galizien waren mit der Gleichberechtigung, die sie seit 1868 besaßen, vollkommen zufrieden; wenn man im Königreich Polen die Zustände wieder hergestellt hätte, welche in den ersten Jahren seit der Reform des Marquis Wielspolski (1861) geherrscht, so Hütten die Juden-nur wenig zu wünschen gehabt. Rach einer Nationalautonomie der Juden trug nur die — russische Regierung Verlangen. — Bezeichnend ist folgendes: vor etwa vier Monaten wandte sich die englische Labour Party an die polnische Sozialdemokratie mit der Aufforderung, in der Judenfrage einzugreifen. Die polnische Sozialdemokratie erklärte, sie stehe auf dem Standpunkt der vollen politischen und bürgerlichen Gleichberechtigung der Juden, aber sie werde nie und nimmer zugeöen, daß Polen durch eine jüdische Nation alautonomie zu einer „bilingual and binational country“ gemacht würde! Und der Vertreter Polens beim Völkerbund, Prof. S i m o n A s k e n az y, erklärte dem Redakteur des Londoner „I e w i s h Guardian" vor kurzem: „Das Statut über die Minderheitsrechte ist ein Unglück für die Polen und für die Juden. Es bedeutet zunächst die Wiederherstellung des Ghettos in seiner schlimmsten Form, denn die Mauern dieses Ghettos halten zwar das Sonnenlicht zurück, aber sie gewähren keinen Schutz. Die NationalauLONOmie. separiert die Juden in bezug auf Sprache, Schule und Gewohnheiten, sie erweitert geflissentlich die Kluft zwischen Juden und Polen und wird überdies endlose Streitigkeiten Hervorrufen, da jede Differenz zwischen Juden und Polen vor das Forum, des Völkerbundes gebracht werden soll. Obwohl selbst Mitglied des Rates des Völkerbundes, betrachte ich das als verhängnisvoll, da die Juden dadurch praktisch genötigt werden, an einen ausländischen Gerichtshof zu appellieren, wodurch endlose Prozesse entstehen. Solche Einrichtungen sind gut für die Advokaten, nicht für die Klienten. Was nützen papierene Bürgschaften, wenn keine Harmonie, Gemeinsamkeit und Zusammenarbeit zwischen beiden Teilen der Bevölkerung herrscht?" Vorläufig ist es noch sehr weit dazu, daß diese Stimmung in Polen einkehrt. D i e Z n st ä n d e , d i e d o r t j e tz t Herr s ch e n , e r w arte n xi tt § Juden ü berall, w o die n a t i o n a l i st i ] ch e V e r - h e tz u n g ein zu reißen droht. — Es ist in diesem Kriege (um ein Lalmudisches Sprichwort gu gebrauchen) so manches Kamel ausgezogen, um Hörner zu bekommen, xmb hat dabei die Ohren eingebüßt.. Es ist wahrliH nicht nötig, daß wir Juden die Zahl dieser interessanten Exemplare noch vermehren. „Zur sozialen Hebrrng des jüdischen LehrersLandes." Von Lehrer M. Steinhardt- Magdeburg. ' Der kurze Artikel des Herrn Dt. Spanier - Magdeburg unter obs.aer Ueberschrift in der Oktober - Nummer darf im Interesse der Sache nicht unwidersprochen bleiben. Der Verfasser stellte die. Sache so dar, als ob es sich bei dem Kampfe der Lehrerschaft um ihre soziale Hebung lediglich um ein „Streben nach materieller Besserstellung" handle, dirrch die bei vielen Kollegen „das unaufhaltsaxne geistige Vorwärtsstreöen allzuoft leider verdrängt werde". Ich nehme nicht an, daß der Verfasser, nach Art der Judenfeinde, Einzelerfahrungen Zu allgemeinen Anklagen gegen einen ganzen Stand verdichten will. In Einzelfällen mag der Vorwurf Dt. Spaniers begründet sein, aber darüber hinaus muß

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