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Im deutschen Reich · 1920-12-01 · Heft 12 (Dezember 1920) · p. 379

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 12 (Dezember 1920)
Article
[Ohne Titel]
Date
1920-12-01
Page
379 (sequence 2)
Language
German
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Jüdische Rundschau 379 als eine Religionsgemeinschaft seien, Während das kleine Häuslein ihrer Volksgenossen in. der Tschechoslowakei zum Rang -einer Nationalität erhoben, mit Selöstbestimm.ungsrecht und nationaler Autonomie ausge- .stattet wurde. Ein um so schmerzlicherer Widerspruch, wenn man bedenkt, daß die amerikanischen! Juden jetzt in der ganzen Welt so hochangesehen sind. Hat doch in der vorletzten Jahresversammlung des American Jewish Committee der Pros. Israel Friedländer, allerdings erst seit 18^ Jahren ein geborener Amerikaner, sehr bescheiden für die amerikanischen Juden die „Führung" von ganz Israel in Anspruch genommen. Und nun sollen sie ewig in dem unfertigen, unentwickelten Zustand einer Religionsgenossenschaist 'verharren, während die 223 000 Juden in der Tschechoslowakei (143 000 in Böhmen und Mähren und 80000 in der Slowakei und in Karpathisch-Reußen) gewürdigt werden, das hohe Ideal einer jüdisch-nationalen Autonomie zu verwirklichen:. Der Versailler Vertrag bestimmt, daß die Juden in allen Ländern^ wo sie in Massen siedeln und dies wünschen, die Mrnderheitsrechte uttbi die nationale Autonomie erhalten müssen. Wenn irgendwo, so siedeln die Juden z. B. in der Stadt New Fort in Masten: 1,6 Mllionen (die 26 Prozent der Einwohnerschaft der Stadt ausmachen), dreimal so zahlreich als die Gesamtjudenschaft des ganzen Deutschen Reiches, nicht viel weniger als die der ganzen ehemaligen österreichisch-ungarischen Monarchie; beinahe Zweimal so stark wie die Gesamtjudenschaft Galiziens. Dazu kommt, daß in New Dork die Juden sich des Jiddischen sehr intensiv bedienen: in dieser Sprache erscheinen in dieser Stadt allein 10 Tagesblätter und. eine Menge anderer Zeitungen und Zeitschriften. Wenn irgendwo, so wäre hier das geeignete Gebiet, das Experiment durchzuführen, und eine Nationalautonom ic der Juden, mit besonderem -Schul-, Gerichtsunb Steuerwesen, besonderer Verwaltung, mit jiddischer Staatssprache, mit jiddischem Parlament und einem jiddischen Staatsoberhaupt an der Spitze einzurichten, damit die Welt sehe, wie großartig das Judentum unter solchen Bedingungen gedeihe:: würde. Die eine Bedingung, nämlich die der Mastenhaftigkeit der Juden,. ist in New Dork erfüllt, fehlt nur noch die andere, daß die Juden die Nationalautonomie wollen. Warum wollen die Herren Brand eis usw. die Nationalautonomie nur für die Juden in der Tschechoslowakei, nicht für die Juden in Amerika? Diese Nationalautonomie für die jüdischen Minderheiten in den Staaten des neuen balkamsierten Europa ist am eifrigsten von den amerikanischen Juden verfochten worden — mit bewundernswerter Uneigennützigkeit, denn sie selber wollen ja davon keinen Gebrauch machen. Konzipiert und ausgestaltet jedoch wurde diese Idee in London, als Gegenstück und Ergänzung zum National Home in Palästina. In den Golrrs-- Ländern sollen uns armseligen europäischen Juden die Minderheitsrechte die bisherige bürgerliche und politische Gleichberechtigung ersetzen, für die unsere Vorfahren beinahe ein volles Jahrhundert gekämpft haben, und die sich in Mitteleuropa durchgesetzt, sogar in Rumänien im Prinzip anerkannt und zuletzt auch in Rußland durchgeführt wurde. Aber. . . sie hat sich leider nicht bewährt. Erstens wurde sie von den antisemitischen Parteien stets bekämpft, sodann von der Regierung geschmälert und umgangen; ferner schützte sie uns nicht vor Pogrom und Boykott, namentlich in den mehr östlichen Ländern; schließlich führte sie zur Assimilation, ja, setzte diese sogar als Bedingung voraus, und bedrohte uns dadurch mit dem Untergang. Wir müssen also unsere Zuflucht zur nationalen Autonomie, verbunden mit Minderheitsrechten, nehmen und uns unter den Schutz, des VötkerLundes stellen. Dann sind wir sicher, sowobl der Szylla -des Boykotts und Pogroms als auch der Charybdis der Assimilation zu entgehen, wir sind gerettet.

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