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Im deutschen Reich · 1920-11-01 · Heft 11 (November 1920) · p. 341

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 11 (November 1920)
Article
[Ohne Titel] / Verax
Date
1920-11-01
Page
341 (sequence 2)
Language
German
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Jüdische Rundschau 341 Unb genau acht Tage, nachden/diese Warnung an die Polen in der Welt hinausposaunt worden, zogen eben diese Polen in Lemberg ein. Wer wissen will, wie sie sich die Warnung Großbritanniens zu Herzen nahmen, der schlage das Buch von Josef Bendow auf unter dem Titel „Der Lemberger Judenpogrom" (M. Hickls Verlag. Wien 1919) — wenn er starke Nerven hat; denn starke Nerven gehören dazu, auch in unserer Zeit, um alle die Greuel nachzuerleben, die in der unglücklichen Hauptstadt Galiziens verübt wurden, unter den Augen einer Entente-Militärkommission, die mit einem französischen Obersten an der Spitze zusammen mit den polnischen Truppen in Lemberg eiugezogen war; verübt nicht von den „Elementen der Unruhe", sondern von regulären Freiheitssoldaten, von heldenmütigen Legionären, Befreiern des Vaterlandes, die unter Führung des Generals Rozwadowski die Stadt von dem Feind, den Ukrainern nämlich, befreit hatten. Das ist derselbe General Rozwadowski, der so heldenmütig vor den Bolschewisten Reißaus nahm, daß er bald an den . Toren der schönen Residenz Warschau zu stehen kam. Es war offenbar leichter, die Lemberger Juden, nachdem man sie entwaffnet, zu schlagen, alte Männer zu morden, Frauen und junge Mädchen zu vergewaltigen, das war alles viel leichter, als die Bolschewisten zurückzuwerfen. Ein Pogrom in Lemberg unter österreichischer Herrschaft war etwas Undenkbares. Galizien und seine Hauptstadt waren seit 1881 die Zufluchtsstätte für die russischen Pogromopfer gewesen. Die „jüdischen" Preßbureaus in London, Stockholm, Kopenhagen, dem Haag, Zürich usw. überfluteten die Juden der ganzen Weltmit Schriften in allen möglichen Sprachen, in denen zu lesen war, daß mit dem Moment der Valfourschen Deklaration die „Gelllah" über Israel hereingebrochen, die Periode der Knechtschaft zu Ende gegangen und die der Erlösung heraufgezogen sei. Man wußte das Lemberger Organ der Zionisten, das „Jüdische Tageblatt", lesen, um zu begreifen, daß die Juden sich bis zum letzten Moment in Sicherheit wiegten. Da stand jeden Tag ein neuer herzerhebender Artikel, in welchem das ewige Thema „Erez Israel dem jüdischen Volke" in allen' Tonarten variiert wurde. Die beseligendsten Nachrichten, welche die „jüdischen" Preßbureaus übermittelten, wurden gläubig nachgedruckt. Die galizischen Juden, die das alles lasen, wurden in einen förmlichen Taumel versetzt. Das messianische Zeitalter schien herangebrochen. Bald hatte dieser, bald hatte jener führende Staatsmann der Entente der jüdischen Nation goldene Berge versprochen, sogar die Aufnahme in den Völkerbund wurde ihr in Aussicht gestellt. Wer den galizischen Juden da gesagt hätte, daß hinter ihrer Türe einer der schrecklichsten Pogrome lauerte, und daß. dieser Pogrom nur der Beginn einer veritablen Pogrom-Aera in Polen bedeute, daß diese Pogrome nur die äußere, akute Form einer Ausrottungs- und Austreibungspolitik sein würden, die das auferstandene, durch England und Frankreich befreite und zu neuem Leben erweckte, mit den fortgeschrittensten Demokratien des Westens in engster Verbindung stehende Polen gegen die Juden mit aller Energie betreibt, — wer ihnen das etwa im Oktober 1918, einige Wochen vpr dem großen' Pogrom, gesagt hätte, den hätten sie für verrückt gehalten. Und doch war das Programm der ganzen polnischen Judenpolitik längst festgelegt und sogar in einer halboffiziellen Schrift der mit der Entente in engster Verbindung stehenden Nationaldemokratischen Partei unter Dmowskis Leitung öffentlich kundgegeben. Das geschah in-der Schrift „Moyen de resoudre la question juive en Pologne“, deren Verfasser einer der Hauptführer der polnischen NätionaldemokraLie Professor St. Michalski war und die im Frühjahr 1918 in Lausanne erschien, im Hauptquartier der allpolnischen NationaldemokraLie, die es mit' der

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