Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 11 (November 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-11-01
- Page
- 336 (sequence 2)
- Language
- German
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336 Im deutschen Reich man über das Wirtschafts- oder Rechtsleben, mag man über Kunst oder Literatur gesprochen haben, immer stand nur das eine an der Spitze: Wie schaden wir den Juden? „Die jüdische Frage und ihre klare Lösung ist die Lebensfrage des deutschen Volkes", ruft der Hauptgeschäftsführer des Alldeutschen Verbandes aus. Vom deutschvölkischen Schutz- und Trutzbund, von den Herren Roth, Bartels, Wiegershaus usw., ivar ja nichts anderes und nichts besseres zu erwarten, aber daß auch der Alldeutsche Verband, eine Organisation, die gewiß auch früher sich keiner Judenfreundschaft rühmte, so in das Fahrwasser des fanatischsten Judenhasses hineingesegelt ist, bedarf doch der besonderen Unterstreichung. „DieBewegung gegen den innerenFeind ist zur leitenden Kraft der völkischen Bewegung geworden. Die Rettung unseres Volkes ist die Aufgabe der völkischen Bewegung." So sprach Justizrat Claß in Frankfurt a. M. Manches von dem, was auf diesen Tagungen geschehen ist, entbehrt, da der Fanatismus eben eine so große Rolle spielt, nicht einer gewissen Komik. Natürlich vertreten sie alle den monarchischen Staatsgedanken, denn die Republik ist ja ein Teufelswerk der.Juden. Aber um Himmels willen möchte niemand von ihnen Wilhelm II. wieder auf den Thron erheben, denn dieser Hohenzollcr stand so unter der Fuchtel der Juden, daß die ganze Judenherrschaft letzten Endes sein Werk ist! Wie sollte es auch anders möglich sein, da doch in den Adern dieses Hohenzollern nach den Feststellungen des Semi-Jmperator reichlich jüdisches Blut fließt! Betrachten wir die beiden Zusammenkünfte aber nicht um ihrer selbst willen, sondern als Auswirkung der Stimmung weiter Volkskreise, so zeigen sie wieder das, was wir hier nicht oft genug betonen konnten: die starke Verankerung des antisemitischen Hassens in dem Empfinden breiter Volksschichten. Die Starke des Antisemitismus darf heute nie und nimmer mehr an der Stärke des Pöbeltons der Straße gemessen werden, sondern an dem stillen Hassen derer, die ihre Empfindungen nicht auf die Straße zu tragen pflegen. Auch unsere Gegner sind so klug, einzusehen, daß die Judenfrage, wie sie sie sich vorstellen, nicht durch Mord und Totschlag, sondern weit mehr durch heimliche Erdrosselung, d. h. durch Abschnürung von allen Strömen unseres Lebens, gelöst wird. Präzise formuliert das Ziel der Gegner im Juliheft der Monatsschrift „Deutschlands Erneuerung" Freiherr von Freytag-Loringhoven in einem Aufsatz „Die Judenpolitik des zaristischen Rußland". Hier verwirft er die Methode des Zarismus, die Judenfrage auf dem Wege der Gesetzgebung zu lösen, und empfiehlt dafür das von Polen bereits vorgezeichnete Mittel