Mannheim
Compact Memory

Im deutschen Reich · 1920-11-01 · Heft 11 (November 1920) · p. 335

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 11 (November 1920)
Article
Antisemitismus und bewußte Jungjuden
Date
1920-11-01
Page
335 (sequence 3)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2316602-2316900-2316910-2357976--31522-2358045
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Zeitfchau 335 Tradition wurzelndes Wesen lebendig ist, dessen wir'uns nicht nur nicht zu schämen haben, sondern das wir erhalten müssen, wenn wir nicht damit einverstanden find, dem wachsenden Assimilierungsprozeß zu verfallen. Im Septemberheft 1918 dieser Zeitschrift hat Rabbiner Or. Bruno Lange (damals Magdeburg), der gewiß nicht des Zionismus verdächtig ist, von einer jüdischen „Nationalität" gesprochen und sie definiert als ..die Zugehörigkeit zu einer völkischen Einheit, die, ohne sie rein gewahrt zu haben, auf Blutsverwandtschaft sich stützt, «und durch Sprache, Denkart, Brauche und Sitten real in die Erscheinung tritt". Mag mau statt von „Nationalität", was allzu leicht mit „Nation" verwechselt wird, von „S t a m m e s g e m e i n f ch a s t" reden: auf Worte kommt es hier nicht au, wo die , Tatsächlichkeit eine so beredte Sprache spricht. Das geistig-sittliche Ziel ist für alle Menschen das gleiche; zu ihm hinstreben kann jeder nur auf seiner Bahn; wenn jeder auch nur ein „ganzer Mensch" fein wollte, so wird er doch stets ein deutscher oder russischer oder von irgendeinem andern Volkstum' durchdrungener Mensch sein müssen. So find auch wir uns einer gewissen „Eigenart" bewußt und bekennen uns freudig zu ihr; denn wir wissen: an sich ist kejne solche Gemeinschaft gut oder böse, lerne darum schlechter als die andere, aber vom sittlichen Wollen erfüllt eine jede fähig zu werteschaffender Arbeit. Die jüdische Gemeinschaft hat das tausendfach in der Weltgeschichte bewiesen: davon durchdrungen können wir frei und offen vor der ganzen Welt, gewiß auch vor unfern Feinden im deutschen Vaterland erscheinen. Zeitscha« Es war dies der Monat, in dem die Antisemiten ihre große Heerschau abgehalten haben. In Weimar tagten, grell äuge kündigt in allen einschlägigen Blättern, die deutsch - völkischen Bünde, und sie gaben ihrer Zusammenkunft den gleißenden Namen „Deutscher Tag". In Frankfurt a. M. fanden sich die Mitglieder des Alldeutschen Bundes zusammen. um in ihrem Kreise des hohen Rates zu pflegen. Hier trafen sie sich alle — in Weimar und in Frankfurt —, die sonst auf der Wahlstatt des Kampfes gegen die Juden sich so rühmlich hervorgetan. Hier wurden sie alle, die Bartels. Wulle, Claß, Roth, Werner und wie die edlen Knappen sonst heißen mögen, mit brausendem Jubel begrüßt, denn sie sind ja die Retter des deutschen Volkes aus Verzweiflung, Not und Judenknechtschaft. Fürwahr, viel schöne Worte und volltönende Phrasen wurden auf diesen Tagungen gewechselt, und es verlohnte sich nicht, auch noch ein weiteres Wort über sie zu verlieren, wenn nicht das eine für den kundigen Beschauer mit aller Deutlichkeit hervorgetreten wäre: das A und Z alles Denkens und Redens jener Männer von Weimar und Frankfurt ist nur der Haß gegen das Judentum. Mag man über die Politik, niag

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.