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Im deutschen Reich · 1920-10-01 · Heft 10 (Oktober 1920) · p. 314

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 10 (Oktober 1920)
Article
Der D. V. J. K. in Vergangenheit und Zukunft
Date
1920-10-01
Page
314 (sequence 2)
Language
German
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314 Im deutschen Reich WohltLftgteitsdingen stets unangebrachte Konkurrenz der Emzelvereine in gedeihliche, gemeinsame Arbeit umgewandelt, er sicherte asten Schwestern der Verbandsvereine eine gute Mindestausbildung, ein für damalige Verhältnisse auskömmliches Gehalt und eine. leidliche Altersversorgung. Soweit es sich darum handelte, für die technische Ausbildung und materielle Existenz der Schwestern zu sorgen, war alles Wünschenswerte geschehen: jüdische Mädchen fanden, sofern sie nrtr einigermaßen geeignet waren, keine Schwierigkeiten mehr, den Krankenpflegeberuf zu ergreifen, und durften sicher sein, ein sorgenfreies Arbeitsfeld zu finden. Nur eines hatte der Verband ängstlich vermieden: Die Betonung des Jüdischen. Sei es, daß die Mehrzahl der Vereine fürchtete, in ein orthodoxes Fahrwasser zu gleiten, sei es, daß man bei Hervorhebung des religiösen Standpunktes Spaltungen in der Schwesternschaft für unausbleiblich hielt, Tatsache ist, daß auch der zaghafteste Versuch, religiöse Forderungen — abgesehen vom rituellen Haushalt — aufzustellen, auf den Delegiertenversammlungen stets schärfsten Widerspruch fand. Auf die Folgen dieses Verhaltens kommen wir weiter unten zu sprechen. Es kam der Krieg, der für alle Einrichtungen gemeinnütziger Art ein Prüfstein wurde. Es wäre sehr schwer für den Verband gewesen, eine gemeinsame Arbeit seiner sämtlichen Vereine durchzusetzen, weil er versäumt hatte, im Frieden die notwendigen Abmachungen mit dem MilitärinspekLeur der freiwilligen Krankenpflege zu treffen; aber der D. V. I. K. hat nicht einmal den Versuch dazu gemacht. Er überließ es den Einzelvereinen zu sehen, wo und wie sie ankamen, und die Vereine mußten froh sein, wenn man ihnen überhaupt erlaubte, irgendwo mitzutun. So kam es, daß meines Wissens nur zwei Verbandsvereine ihre' Schwestern geschloffen einsetzen konnten, die andern gaben kleine Trüppchen oder Einzelschwestern teils an das Rote Kreuz, teils direkt an die Heeresverwaltung ab; zwei Vereine konnten wenigstens eine Anzahl Schwestern über den ganzen Krieg geschlossen vom Westen nach Osten und wieder nach dem Westen zurückbringen. Die jüdische HilffsLLLig- Leit für die Heereskrankenpflege wurde in vielen Einzel! ei st ungen verzettelt und kam der Heeresverwaltung als solche kaum zum Bewußtsein, denn das Rote Kreuz hatte keinerlei Interesse daran, die Zahl seiner jüdischen Schwestern sestzusteüen, ebensowenig Lat es die Heeresverwaltung. Eine Judenzählung in der freiwilligen Krankenpflege hätte wohl die gleiche Erbitterung hervorgerusen wie die berüchtigte beim Heer. Deshalb stellte im Anfang des Jahres 1917 einer der Vereine beim D. V. I. K. den Antrag,, allen in der Kriegspflege tätigen jüdischen Schwestern — sowohl den Vereinsschwestern als den Einzelschwestern — die vom Verband der Deutschen Juden herausgegebene kleine Feldbibel durch Vermittlung ihrer Heimatgemeinde zuzusenden und sie zu fragen, ob ihnen weitere jüdische Literatur erwünscht sei. Hierdurch wäre ähnlich wie bei den Studenten, die z. B. den Heliand und vieles andere erhielten, das Jnterresse für den D. V. I. K. geweckt worden, her Verband hatte die Adressen aller jüdischen Kriegsschwestern erhalten und hätte nach dem Krieg eine fast lückenlose Statistik der jüdischen Schwesternarbeit im Krieg ausstellen können. Aber der D. V. I. K. hat auch hierin vollkommen versagt, er hat trotz der dringendsten Aufforderungen aus dem Felde nichts getan. Dieser Fehler ist nie mehr gutzumachen, die Gelegenheit, den Verband einer großen Zahl jüdischer Mädchen als gemeinsamen Sammelpunkt nahezubringen, ist versäumt. Dem Krieg folgte der Zwangsfrieden, die Revolution, die Not. Die Entwertung des Geldes erforderte höhere Gehälter, einzelne Vereine sahen sich in ihrer Existenz bedroht, manche waren nicht in der Lage, so

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