Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1920)
- Article
- Zur Verständigung zwischen deutschen Christen und deutschen Juden
- Date
- 1920-10-01
- Page
- 299 (sequence 7)
- Language
- German
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299 Bilanz jämmerliches Gebilde, die Karikatur eines Staates, welche ewig von der arabischen Bevölkerung befehdet wird und stets den britischen Schutz Herbeirust. . . . Seit der Erklärung Balfours lesen sie (die zionistischen Blätter) sich wie amtliche Organe des britischen Jn> perialismus." __ Bilanz. Von Mittelschullehrer H. Stern, Kattowitz. Die Krisis, die die deutsche Judenheit zurzeit durchmackt, ist wohl die gefährlichste seit Menschengedenken. Zu unserem Anteil am deutschen Leid tritt das jüdische Leid hinzu, unsere seelische Widerstandskraft der denkbar stärksten Belastung aussetzend. Ünd es sah doch einen Augenblick so aus, als ob es anders kommen wollte. Als die Stürme der Revolution das alte Regime stürzten, da sank mit ihm die Macht ins Grab, die uns siebzig Jahre lang unser verbrieftes Recht vorenthalten hatte, und die Morgenröte der neuen Zeit beleuchtete zum ersten Male in Deutschland die Wirklichkeit gewordene Gleichberechtigung der Juden. Heute, nach knapp zwei Jahren, gehört auch diese Zeit schon der Vergangenheit an. Die jüdischen Minister sind verschwunden, die Besten unter uns sehen sich zurückgestoßen oder innerlich zurückgehalten von der Mitarbeit am Wiederaufbau des zusammengebrochenen Vaterlandes, und. die jüdische Presse tut, was sie noch niemals getan hat: sie rät ihren Lesern Zurückhaltung im öffentlichen Leben an, d. h., grundsätzlich gesprochen, in der Ausübung der selbstverständlichsten staatsbürgerlichen Rechte. Angesichts dieser Sachlage müssen wir uns doch fragen: Haben wir die Gleichberechtigung noch (oder schon!) oder haben wir sie nicht? — So sieht die Gegenwart aus! Daß die nahe Zukunft Besseres verspricht, kann auch der größte Optimist nicht behaupten. Klar liegt nur die Vergangenheit vor uns mit ihren Kämpfen, ihren geringen Erfolgen und schweren Enttäuschungen. ' Vielleicht, daß der Augenblick geeignet ist, aus ihrer Betrachtung Ziele und Wege für die auch in der jüdischen Politik unvermeidlich gewordene Neuorientierung zu gewinnen. Wir brauchen Wahrheit.und Klarheit, und wir sollten uns ihr nicht ängstlich verschließen, weil sie vielleicht — oder besser gesagt: ganz sicher — bittere Erkenntnisse birgt. ' I. Die neuere Geschichte der deutschen Juden ist im wesentlichen die ihres Emanzipationskampfes. Sofort tritt uns die Besonderheit dieses Kampfes scharf und klar entgegen, insofern er mit dem natürlichen Ziel nicht abschließt, sondern — anhebt. Denn die Judenemanzipation ist nicht das Produkt organischer Entwicklung — in diesem Falle der Entwicklung des Volksbewußtseins zur Anerkennung der Idee der Rechtsgleichheit -— sondern die widerwillige Anbequemung der Staatsräson an eine aus der Revolution geborene politische Notwendigkeit.. Darum setzt sogleich mit der verfassungsrechtlichen Gleichstellung der Juden die Sabotage in der Beachtet die Anzeige: Philo Verlag!