Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 9 (September 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-09-01
- Page
- 269 (sequence 5)
- Language
- German
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Zeitscha^ 269 haben, um der Not ihres Heimatlandes ein Ende zu bereiten? Jedenfalls aber werden sie nichts geleistet haben, um das noch weit mehr als das deutsche Ansehen gesunkene Ansehen ihres Landes in der Welt zu heben. So sind es keine erfreulichen Ausblicke, die sich uns bei Beginn unseres Festmonats eröffnen. Mag sich auch seit dem vorigen Jahre im Innern unseres Vaterlandes das eine oder das andere schon zum Besseren gewandt haben, mit uns Juden treibt man noch immer das alte Spiel. Um so tiefer aber müssen wir die Gedanken empfinden, die in diesen Wochen auf uns hereinströmen. Sie mögen bewirken, daß das Bewußtsein der Zugehörigkeit zu unserer großen und starken Gemeinschaft sich immer mehr in uns befestige. Denn nur so, nur aus den Quellen, die aus den tiefsten Gründen des Judentums uns entgegenfließen, werden wir die Kraft zur Ueberwindungsunserer ■Jiot finden. Daß wir die Bekenner der Religion der Lebensbejahung sind, sei uns stets im Gedächtnis. Das aber schließt aus, daß wir, wie so manche heute unter uns, uns in dem Gedanken wiegen, wir selbst seien es, die einen Teil der Schuld an den Verfolgungen wider uns tragen. Gewiß! es find auch unter uns Menschen, die nicht würdig sind, unserer Gemeinschaft anzugehören. Sie seien ebenso verurteilt wie alle anderen, die sich vergehen. Aber sie sind nicht die Ursache der Anstrengungen unserer Gegner. Diese liegen auf ganz anderem Gebiete. Denn unseren Gegnern kommt es ja gar nicht darauf an — und daran könnenwirnichtoftgenug denken — uns oder die Welt zu b esßern, sondern nur sich und ihren Absichten zu nützen. Der Beginn eines neuen Jahres ist für uns Juden ein ernster Augenblick, ein Augenblick, in dem wir rückschauend verweilen, in dem wir zugleich aber den Blick wieder hoffnungsvoll in die Zukunft richten. Aus dem, was vergangen ist, lernen wir für die Zukunft. Aus dem, was uns im letzten Jahre begegnet ist, das zweifellos für uns Stunden der allergrößten Not gebracht hat, schöpfen wir, im Gefühl unserer inneren sittlichen Stärke, den Willen zur neuen Arbeit. In uns und um uns müssen wir kämpfen, nicht um irgendwelcher Vorteile willen, sondern weil so unser Weg ist. Die Stunde des Jahresbeginns, die Stunde des Festbeginns sei die Stunde, in der wir zugleich erneut unsere Kräfte sammeln. So sei sie in Wahrheit eine Stunde der E r n e u e r u n g. B e r l i n, den 17. August 1920. ft. A. Beachtet die ige; Phile Verlag!