Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 9 (September 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-09-01
- Page
- 268 (sequence 4)
- Language
- German
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268 Im deutschen Reich Sprache noch auf Kriegsfuß stehen. Denn gar mancher von denen, der da draußen im Lande die „deutsche Sache" der Antisemiten betreibt, ist nicht einmal in der Lage, seine Rede in einem richtigen Deutsch zu halten. Eine traurige Garde, die sich die Antisemiten da gebildet haben. Ihre zuverlässigsten Gesinnungsgenossen haben die Antisemiten immer noch in Deutsch-Oesterreich. Es scheint allmählich eine weltgeschichtliche Tatsache zu werden: je schlechter es einem Lande geht, um so schärfer tobt in ihm der Judenhaß. Man hat ja in einem solchen Lande auch gar nichts anderes zu tun, es gibt keine wirtschaftliche Not, es gibt keine kranken und elenden Kinder, für die man sorgen muß. Wie sehr Deutsch- Oesterreich vom Antisemitismus beherrscht wird, das konnte mau wieder auf dem kürzlich in Güttingen stattgehabten Studententag sehen. Daß für die Studentenschaft die Judenfrage eine ganz außerordentliche Rolle spielt, haben wir mehrfach betont. Auch in den Verhandlungen dieses Studententages stand zeitweise die Judenfrage im Mittelpunkt der Verhandlungen; sie gab jedenfalls den Anlaß zu sehr erregten Auseinandersetzungen. Die Situation war so, daß, nachdem zunächst die studentischen Fragen eingehend erörtert waren, nun diese Auseinandersetzungen einen derartigen Umfang annahmen, daß zum Schluß ein Universitätsdozent erklärte, daß er mit tiefem Bedauern gesehen habe, wie diese Dinge von der Studentenschaft behandelt würden. Und doch wären wider Erwarten die Schwierigkeiten nicht so groß gewesen, wenn nicht die deutsch-österreichischen Vertreter ihre Judenfeindschaft aufs schroffste bekundet hätten. Entgegen den früheren Verhandlungen war dieses Mal das Rechtsgefühl der reichsdeutschen Studenten so stark, daß sie es nicht glaubten verantworten zu können, die jüdischen Studenten gänzlich aus der Verfassung der Studentenschaft auszuschließen. Man drückte sich jedoch an der Entscheidung, ob die deutschen Juden Glieder des deutschen Volkes seien, vorbei und erklärte, daß in erster Reihe die Staatsangehörigkeit maßgebend für die Erlangung der Rechte in den Studentenschaften sei. Für Oe st erreich jedoch wurden die Dinge anders geregelt. Hier gilt nicht die Staatsangehörigkeit, sondern hier ist entscheidend der Gegensatz zwischen Ariern und Nichtariern. Die Zulassung von Nichtariern soll jeweils von dem Belieben der Deutscharier abhängen, wobei noch besonders betont wurde, daß die Juden nur zuSonderausschüssen zu gelassenwerden dürfen. Ob die deutsch-österreichischen Studentenvertreter glauben, daß sie mit dieser Regelung auch den Weg gefunden