Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / Verax
- Date
- 1920-07-01
- Page
- 240 (sequence 2)
- Language
- German
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240 Im deutschen Reich stLLte für das jüdische Volk Zu errichten. Wie groß der Jubel über dieses freudige Ereignis in Berliner zionistischen Kreisen war, haben wir gesehen, und die zionistischer: Blätter berichteten über die rauschenden Feste, die dis Zionisten in der ganzen Welt veranstalteten, von Skandinavien bis Südafrika, von London bis Kairo, bis Lemberg und Warschau. Nur palästinensische Juden und Araber nahmen keinen Teil an der Freude. - Für sie und andere aber erhebt sich da ein großes Fragezeichen. Was ein englisches Mandat ist, wissen wir: cs wird daraus das, was die Engländer daraus machen: eine Kolonie, ein Protektorat, eine Dominion, je nachdem. Aber was ist das: „nationale H e i m st a i t e"? Ist das ein Staat, ist das eine staatsähnliche Gemeinschaft? Wie weit reicht ihre wirtschaftliche Autokratie und politische Selbständigkeit? Keiner weiß es, aber alle glauben daran. Ganz wie ehemals an den seligen „Charter", auch an ihn glaubte die ganze große Zionistengememde jahrelang, wiederholte das Wort mit heiligen Schauern, ohne daß jemand genau wußte, was es bedeutete... Aber, wie gesagt, in Palästina war die Freude stark gedämpft. Die Juden: In dem Leitartikel des Jerusalemer „Haaretz" vom 4. Mai lesen wir folgendes: „Am 24. April wurden durch die Friedenskonferenz in San Remo die Rechte des jüdischen Volkes auf Palästina anerkannt. Die Balfoursche Deklaration wurde in den Friedenstraktat ausgenommen. Es war also rem eitler Traum gewesen. Die Deklaration vom 2. November 1917, die seinerzeit nur die Bedeutung einer Zusage hatte, und deren Einhaltung von der Annahme des Mandats durch Großbritannien abhängig war, ist zur Tatsache geworden. Das jüdische Volk, welches seinerzeit mit so großer Begeisterung das - Versprechen ausgenommen, wird jetzt über deren Verwirklichung doppelt jubeln... Aber der Tag, an dem die frohe Botschaft uns erreichte, war bei uns ein Fasttag. Arbeit, Handel und Verkehr ruhten, wir trauerten und protestierten. Jeder, der die frohe Botschaft vernahm, mußte eine Weile innehalten und sich fragen: Was für einen Grund zum Frohlocken haben wir eigentlich? Haben wir nicht schon vor 2 V2 Jahren in die große Trompete gestoßen? Was ist seither geschehen, welches uns glauben machen könnte, daß wir der Erlösung entgetzenschreiten? All die Zeit sahen wir Einwohner von Erez Israel unt eigenen Augen, wie systematisch gegen uns gearbeitet wurde, nicht nur gegen unsere Zukunftsbestrebungen, sondern sogar gegen unfern jetzigen Bestand im Lande. Unsere Lage im Lande ist. siebenfach hinuntergedrückt worden, im Vergleichs mit der Zeit vor dem Kriege. Der „Burgfriede", den die despotische türkische Regierung streng überwachte, um dem Ausland kein Aergernis zu geben, wurde gestört durch jene Orientpolitiker, deren Beruf es ist, ein Volk gegen das andere aufzuhetzen, Zwietracht zu stiften, dann zu beruhigen, um von neuem Zwietracht anzustiften, je nachdem es ihre Politik der Stunde erfordert. Jahrzehnte verrichteten wir im Lande kolonisatorische Arbeit, in der offenen Absicht, uns hier eine Heimat zu gründen, und nicht ein einziges Mal zeigte sich eine Gegnerschaft von seiten der arabischen Nation. Die vereinzelten Politikaster, die nach dieser Richtung hin arbeiteten, blieben vereinsamt, ihre Stimmen verhallten wie die eines Rufenden in der Wüste. Die Regierung war despotisch, Ordnung fehlte, wir litten darunter. Gleichwohl verging kein Tag ohne fruchtbare Arbeit, ohne daß wir unsere Stellung im Lande qualitativ und quantitativ befestigten. Das geschah alles in den Zetten der Finsternisunter der Herrschaft der türkischen Despotie. Und jetzt, nachdem die „Posaune des Messias" (gemeint ist die Balsoursche Deklaration) erscholl? Dritthalv Jahre sind bereits vorüber, die Hälfte der Zeit hindurch schrien wir Hurra, droschen leeres Stroh, die