Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Article
- Professor Droogstoppel
- Date
- 1920-07-01
- Page
- 233 (sequence 12)
- Language
- German
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Zcü-chau ,233 Darum ist ihr gegenüber kein Spott zu grausam, kein Hohn zu bitter. Ich kenne die"Vorteile einer „maßvollen" Polemik, mit der man bei dem Philister schon halb gewonnen hat. Aber selbst eine Professorenlästerung schien mir immer noch unschuldiger als seine schändlichen Gotteslästerungen. Jes. 37---,-das Buch von Delitzsch hat nichts mit jener Wissenschaft zu tun, der man gerne Hochachtung bezeugen möchte, auch wo man ihr nicht beizustimmen vermag, sondern es ist eine unter dem Borgeöen, der Wahrheit über Gott und sein Wirken zu dienen, und unter dem Schutze eines wissenschaftlichen Renommees 'nt den politischen Parteikampf geschleuderte und die teuersten Heiligtümer von Juden und Christen maßlos schmähende, haßerfüllte und haßerregende Tendenzschrrft. AeitschiM» Wie es an dieser Stelle vorausgesagt worden ist, haben-die letztenTage des Wahlkampfes auch eine unerhörte Auspeits ch"un g der antisemitischen Agitation mit sich gebracht. Es gab schlechterdings zuletzt kaum eine Wahlversammlung, die von antisemitischen Pöbeleien verschont bliieb. Dank der systematischen Hetze der antisemitischen Agitatoren war schließlich die Erregung der aufgepsitschten Massen derartig, daß sie durch die, Abkühlung der freien Lust nach den Versammlungen nicht behoben wurde, sondern in Anrempelungen und Tätlichkeiten gegenüber Juden auf offener Straße nachwirkte. Die Straßenbilder einer Reihe von Städten — hier zeichnete sich besonders Hamburg aus — waren mit antisemitischen -und gegenantisemitischen Plakaten und Plakätchen aller Art und allen möglichen Inhalts verschandelt. Wenn man in einer ruhigen Minute über diese Dinge nachdachte, mußte man sich immer und immer wieder fragen, wie es denn möglich sei, daß 500000 Juden in Deutschland einen Faktor darstellen, der Gegenstand eines derartig ungeheuerlichen Kampfes sein kann. Die antisemitische Deutung, daß die Juden dem kleinen Bazillus vergleichbar sind, der sich in den gesunden Körper einschleicht und gegen den sich dann der gesamte Körper mit allen zu Gebote stehenden Mitteln wehrt, ist! doch zu unsinnig, als daß man sich ernstlich mit ihr befaßt. , Die Lösung dieses Rätsels kann nur dahin gegeben werden, daß die Judenhetze als geeignetes und bequem brauchbares Mittel dient, um parteipolitische Bestrebungen zu fördern, um also im Kampfe gegen andere Parteien sich eine möglichst große Zahl von Anhängern zu sichern. , Beachtet die Anzeige: Philo Verlag!