Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Article
- Professor Droogstoppel
- Date
- 1920-07-01
- Page
- 223 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2316602-2316900-2316907-2357635--31267-2357683- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Professor Droogstoppel 223 \ diesem Orte höchst abgeschmackt ist. Nach dem moralischen Herrn Droogstoppel hätte Josua, als ihm Rahab (angeblich) den Verrat ihrer Stadt anbot, von- „dieser Person" erst ein polizeiliches Führungsatteft, oder Leumundszeugnis verlangen sollen. Uebrigens wäre es wahrscheinlich günstig ausgefallen,, denn nach ' babylonischen undkanaanitischen Anschauungen war die Prostitution nicht nur eine gesetzliche, sondern sogar geheiligte Institution. Gesetzt aber auch, Rahab wäre „ein von ihren Volksgenossen ausgestoßenes Weib" gewesen, wieviel großherziger als dieser Tugendwächter benimmt sich Josua und das ganze damalige und spätere „pharisäische" Israel. Anstatt den Stein auf sie zu werfen (Cvang. Joh. 8, ff.), halten sie unverbrüchlich den (doch nur von den beiden Kundschaftern) geleisteten Eid und retten sie nicht nur nebst ihrer ganzen Familie, sondern räumen ihr einen Ehrenplatz in der Geschichte ein. Denn was sie auch gefehlt haben mag, so hat sie ihre Schuld getilgt, indem sie das allmächtige Walten des wahren Gottes ehrfürchtig anerkannte. So wunderbar nun die biblische Erzählung von dem Fall Jerichos ist, so vollbringt hierbei unser strenger Geschichtsforscher selbst ein Wunder, das es mit dem Einsturz der Mauern vor dem Schall der Posaunen getrost aufnehmen kann, aber seine leichtfertige Flüchtigkeit in das grellste Licht setzt. Er schreibt nämlich: „Die Kundschafter machen noch mit ihr aus, daß sie den karmesinfarbenen Knäuel, mit dessen Hilfe sie. sie herabgelassen hatte, als Erkennungszeichen an ihr Feniter binden solle." Nun steht aber in der Bibel an dieser Stelle (2,8) nichts von einem Knäuel, sondern nur von einem Faden. Es bedarf aber wohl nicht erst des Gutachtens eines andern Droogstoppels von der Textilüranche, daß es unmöglich ist, zwei ausgewachsene Männer an einem Zwirnsfaden vom ersten Stock durch das Fenster hinabzulassen, ohne daß sie Hals und Beine brechen. Unser Professor, dem wohl selbst dabei nicht geheuer ist, sucht dies dadurch zu vertuschen, daß er den Faden geschwind zu einem Knäuel zuiammenwirrt. Das ist aber, um mit ihm zu reden, eine „große Täuschung" und würde überdies auch nicht viel geholfenhaben, da auch ein Zwirns k n ä u e l immer noch eine unsichere Sache ist. In Wirklichkeit hat Rahab die Leute, wie Vers 15 deutlich zu lesen ist, mittels -eines handfesten S e i l e s herabgelassen. Der Verfasser hat folgenden groben Schnitzer gemacht; er übersetzt: „Diesen karmesinroten Faden, mittels dessen du uns hinabgelassen hast, sollst du an das Fenster binden" anstatt: „sollst du an das Fenster binden, durch das (nämlich das Fenster) du uns hinabgelassen hast"! Der F a d en hat mit dem Hinablassen nichts zu tun. Wenn ihn etwa das.Wörtchen „dieser Faden" irregeführt hat, so hat er eine sprachliche Eigentümlichkeit des Hebräischen nicht erkannt. Das Wörtchen „dieser" bedeutet bisweilen, wenn es nur auf die Gattung und nicht ein bestimmtes Exemplar ankommt, soviel wie: „ein beliebiger, irgendeiner, der erste beste, meinetwegen dieser da".' Manche schwierige Stelle erhält durch diese meines Wissens noch nicht gemachte Beobachtung, die daher D. in seiner Grammatik nicht finden konnte, Licht (z. B. Gen. 3722, vgl. v. 20! Nu. 20io), ebenso wie sehr häufig bei Gattungswörtern der bestimmte Artikel gerade die Be-