Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 7-8 (Juli 1920)
- Article
- Die Gesamtorganisation des deutschen Judentums
- Date
- 1920-07-01
- Page
- 222 (sequence 6)
- Language
- German
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Jur deutschen Reich 999 Wie man hört, hat die geheimnisvolle Konferenz-Gemeinschaft der Großgerneinden, von der niemand reckst wem, was sie eigentlich vorstellt, beschlossen, bezüglich der Organisation ihre Wege zu gehen» So Laufen jetzt glücklich drei ParalleL-Ätnoaen nebeneinander, und vor lauter Organisationen geht die Sache keinen Schritt vorwärts. Von Rabbiner Dr. B. Jacob- Dortmund/'') Damit, daß Delitzsch in seiner „Großen Täuschung" sich als ebenso abgeneigt wie unfähig erwiesen Hatz die religiös-sittliche Art und Absicht der biblischen Geschichte Zu begreifen, ist sein Unterfangen, autoritativ ihren Wert oder vielmehr gänzlichen Unwert zu bestimmen, bereits als Anmaßung eines Unbefugten gekennzeichnet. Jedes weitere Eingehen kann dieses Urteil nur verschärfen. Die wunderhafte Verklärung der Ereignisse ist also nicht nach seinem Geschmack. Er will „den wirklichen Hergang des Eindringens der Israeliten in Kanaan, soweit dies möglich, in streng geschichtlichem Sinne" (8) darstellen. Wir werden also begierig sein, was denn nun nach ihm wirkliche strenge Geschichte war. Aber bald erkennen wir, daß sein Versprechen nichts als eitel Flunkerei ist, denn zu einem ernsten Versuch, in positiver Kritik und Forschung den wirklichen Hergang zu ermitteln, wird nicht einmal ein Anlauf genommen. Wo er aber eine Antwort gibtz ist sie sehr einfach: Ge'-' s ch i ch L l i ch und wahr i st immer das für Israel möglichst Ungünstige. Ein, gutes Beispiel ist wieder der Fall Jerichos, den-er am ausführlichsten behandelt hat — zu seinem eigenen Unglück, denn man höre, wie er sich .damit selbst einen Strick gedreht hat. Er hatte als fettgedruckte „Wahrheit" ermittelt: „Eroberung mittels Verrats einer zu diesem Zwecke bestochenen Hure." Nun hat aber der Verfasser selbst (16 Anm.) die ganze Erzählung von dem Aufenthalt der zwei Kundschafter in dem Hurenhause von Jericho als „höchst verdächtig" bezeichnet, sie kommt.ihm (ebd.) erstaunlich — erstaunlicher — am erstaunlichsten vor, trotzdem ist sie nicht nur die Wahrheit, sondern bekommt noch die möglichst gehässige sensationelle Aufmachung. In Wirklichkeit hat sich D. nicht nur den Verrat und die Bestechung, sondern vielleicht sogar die Hure, also so ziemlich alles direkt aus den Fingern gesogen. Bon einem Verrat steht in der Erzählung auch nicht die leiseste Andeutung (wir werden bald eine Vermutung aussprechen, welcher Mißverstand den Verfasser darauf gebracht haben könnte), ebensowenig Lesen wir von einer Bestechung, und es ist endlich noch sehr die Frage, ob man ohne weiteres „Hure" übersetzen darf und das Wort nicht vielmehr einfach „Gastwirtin" bedeutet. Aber offenbar Laugt die immer wieder unterstrichene „Hure" besser zu sittlicher Entrüstung, obgleich sie an :) Siehe Juniheft dieser Zeitschrift Seite 181.