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Im deutschen Reich · 1920-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1920) · p. 218

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1920)
Article
Die Gesamtorganisation des deutschen Judentums
Date
1920-07-01
Page
218 (sequence 2)
Language
German
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Im deutschen Reich 218 kann' eigentlich nur eine Stimme herrschen. Nur zwei Punkte, die diese Notwendigkeit zwingend begründen, will ich hervorheben. Der eine ist das Bedürfnis, die kleinen Gemeinden, die infolge finanzieller Not ihrem Ruin entgegengehen, dauernd und nachhaltig zu unterstützen. Gerade in kleinen Gemeinden pulsiert oft regeres jüdisches Leben als in Mittel- und Großgemeinden, und jeder, der nur einiges tiesergehende Interesse an der Erhaltung dieses Lebens hat, sei er nun gesetzestreu oder liberal, muß wünschen, daß hier so schnell als möglich durchgreifende Hilfe gewährt wird. Diese kann aber nur von der Gesamtheit der deutschen Juden ausgehen, wenn sie planmäßig und nicht in der demütigenden Form von Almosen geleistet werden soll. Ebenso einleuchtend ist es, daß das deutsche Judentum gerade in dieser sturmbewegten Übergangszeit in Deutschland und bei der Fülle des außerdeutschen jüdischen Geschehens eine Vertretung nach außen erhält, die wirtschaftlich und rechtlich den Gesamtwillen der deutschen Juden kundgeben kann. Die großen Organisationen, so Vorzügliches sie auch geleistet haben, leiden in der Schlagkraft ihrer Tätigkeit darunter, daß ihnen von Gegnern im jüdischen und nichtjüdischen Lager entgegengehalten wird, daß hinter ihnen nur Teile, nicht die Gesamtheit der deutschen Juden stehen. Man sollte daher annehmen, daß sich gegen eine Gesamtorganisation als solche überhaupt keine Gegnerschaft geltend macht, und daß die Freunde des Gedankens in voller Einigkeit und mit tunlichster Beschleunigung an seiner Verwirklichung arbeiten. Weder das eine noch das andere ist der Fall. Wie schon vor Jahren in Preußen, so scheint auch jetzt wieder im Reich der rechte Flügel der Gesetzestreuen seine eigenen Wege gehen zu wollen, wie die Halberstädter Gründung beweist. Das ist um so unverständlicher, als von keiner Seite je darüber ein Zweifel gelassen worden ist, daß die Gesamtorganisation, soweit sie überhaupt in das Leben der Einzelgemeinden eingreift, jedenfalls Kultus, Ritus und Unterricht völlig unberührt lassen wird. Von irgendeiner Vergewaltigung der religiösen Gefühle und Bedürfnisse der gesetzestreuen Juden kann also gar keine Rede sein. Man darf aber die Hoffnung nicht aufgeben, daß ein Weg gesunden wird, auch die Halberstädler Organisation in irgendeiner Weise der zu schaffenden Gesamtorganisation ein- oder anzugliedern. Ebenso wird es natürlich notwendig sein, daß alle partikularistischen Interessen der einzelnen Länder sich der großen Notwendigkeit einer schleunigen Vereinheitlichung der jüdischen Verfassung in Deutschland beugen werden. Vor allem aber muß ein etwas rascheres Tempo angeschlagen werden als bisher. Es ist wahrhaft beschämend zu sehen, wie nufere beiden größten Verbände, der Verband der deutschen Juden und der D. I. G. B., statt miteinander, gegeneinander arbeiten, als ob hier nicht etwas Höheres aus dem Spiel steht als die Ehre, aus sich heraus die neue Organisation geschaffen zu haben. Ein Recht auf diese Ehre kann überhaupt nicht anerkannt werden, und tatsächlich am schnellsten wird man mit der Hilfe des Gemeindebundes zum Ziele kommen, hinter dem det größte Teil der deut-

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