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Im deutschen Reich · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · p. 191

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Article
[Ohne Titel] / K. A.
Date
1920-06-01
Page
191 (sequence 2)
Language
German
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Zeitschau 191 daß der Wahlkampf nur recht schwerfällig von allen Seiten geführt wird. Es müssen also die stärksten Mittel angewandt, werden, um die Massen in Bewegung zu setzen. Die antisemitischen Agitationsmanöoer gehören dabei zu Len beliebtesten und erfolgreichsten Mitteln. Noch einmal muß es gegenüber einer gewissen Verständnislosigkeit in den eigenen Reihen festgestellt werden, daß im gegenwärtigen Augenblick der Antisemitismus in der Wahltaktik eine ganz überragende Rolle spielt. Die Verschiebungen, die innerhalb der Parteien in den letzten Wochen stattgefunden und berechtigtes Aufsehen hervorgerusen haben, beruhen letzten Endes nicht zum wenigsten auf der Stellungnahme, die die betroffenen Parteien den Juden gegenüber einnehmen. Das ist aber nur ein Beispiel. Wie immer in solchen Tagen, begnügt man sich nicht mit einer objektiven und sächlichen Erörterung der Probleme, sondern man greift zu den stärksten und sichtbarsten Argumentationen. Dabei scheut man sich auch nicht, vom Wege der Wahrheit abzuweichen und den der Lüge zu beschreiten.-' Was von denen, die die antisemitische Agitation nötig haben, an Verlogenheit geleistet wird, ist kaum noch zu überbieten. Hier versagt jede Rechtfertigung aus politische Notwendigkeit, hier tritt das egoistische Interesse aus der einen und der Haß auf der anderen Seite nur allzu deutlich und allzu grell hervor. Man weiß nicht, was tragischer ist: Die Verlogenheit der einen, die doch nur ein Beweis einer politischen Unmoral ist, oder die Dummheit der anderen, die das ihnen Vorgesetzte glauben, die hinwiederum ein Zeichen von Unkultur und beinahe Barbarei ist. Denn auch das bedarf der erneuten Feststellung: Es gibt keine Lüge über die Juden, sei sie auch noch so faustdick ausgetragen, die nicht ihre große Zahl der Gläubigen findet. Es find in den letzten Wochen von uns in einer beträchtlichen Reihe großer und mittlerer Städte in allen Teilen des Reiches eine bestimmte Art von Versammlungen abgehalten worden, in denen einem geschlossenen Kreis, der sich jeweils aus einer ausgewählten Schicht der intellektuellen Bevölkerung des Ortes zusammensetzte, Aufklärung über alle das Judentum berührenden Fragen geboten wurde. Gerade in diesen Versammlungen hat es sich gezeigt, daß Persönlichkeiten, die doch im allgemeinen Anspruch auf ein gewisses Maß von Bildung erheben dürfenwie höhere Gerichtsbeamte, Universitätslehrer, die vollkommenste Unkenntnis über all das, was das Judentum anging, bewiesen. Diese Unkenntnis wäre für uns ohne besonderes Interesse, wenn sie nicht der beste Nährboden der Hetze wäre. Trotz der Unkenntnis nämlich, und vielleicht gerade wegen dieser Unkenntnis, besaßen sich diese Persönlichkeiten mit dem Judentum und sind geneigt, all das, was ihm an Schlechtem vorgeworsen wird, bedingungslos zu

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