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Im deutschen Reich · 1920-06-01 · Heft 6 (Juni 1920) · p. 182

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 6 (Juni 1920)
Article
Professor Droogstoppel
Date
1920-06-01
Page
182 (sequence 2)
Language
German
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IS 2 Im -deutschen Reich und gesunder M e n? ch e n v e r st a n d.ch Er haßt nichts so sehr als Unwahrheiten und darum insbesondere auch die Poesie, die fast nur aus Lügen besteht. „Ich habe," sagt er, „nichts gegen Verse an sich. Will man die Wörter in abgemessene Glieder rückengut! Aber sage nichts, was nicht wahr ist! Der Regen ist vorbei Und die Uhr i st drei. Das lasse ich gelten, wenn wirklich der Regen vorbei und die U h r d r e i ist. Doch wenn es v i e r t e I a u f v i e r ist, dann kann ich, der ich meine Worte nicht ins Glied setze, wohl sagen: „Der Regen ist vorbei und die Uhr ist viertel auf vier", der Versemacher aber ist dadurch, daß der Regen vorbei ist, an die volle Stunde gebunden. Es muß genau drei Uhr, in diesem günstigen Falle meinetwegen auch genau zwei Uhr sein oder der Regen darf nicht vorbei sein. Sieben und neun ist durch den Reim verboten. Da geht es dann ans Pfuschen. Entweder das Wetter muß verändert werden oder die Zeit. Eines von beiden ist dann gelogen." Oder lesen Sie die vernichtende Kritik, die Herr Droogstoppel an dem Gedicht eines gewissen Heine übt, das ein verliebter Volontär, den er aus Geschäftsrücksichten hat aufnehmen müssen, seiner Tochter vordeklamiert, die im Salon sitzt und strickt: Auf Flügeln des Gesanges, Herzliebchen, trag ich dich fort . . . . Wie kann er ein junges Mädchen „Herzliebchen" anreden, ohne daß die Eltern von dieser Liebe wissen? Was bedeutet das „Forttragen auf Flügeln"? Er hat ja gar keine Flügel und sein Gesang auch nicht. Er soll es nux einmal über die Lauriergracht probieren, die gar nicht einmal breit ist. Und dann das Anerbieten, zusammen wegfliegen zu wollen? Pfui! Fort nach dem Ufern des Ganges, Dort weiß ich den schönsten Ort'.... Gehen Sie meinetwegen allein dahin und mieten sich ein Zimmer, aber nehmen Sie nicht ein Mädchen mit, das seiner Mutter im Haushalt helfen muß! Uebrigens sind Sie auch noch nie am Ganges gewesen, können also auch nicht wissen, ob dort das Leben so schön ist. Aber die vorgeschlagene Reiseroute ist ja gar nicht ernsthaft.gemeint, sondern nur durch den Reim veranlaßt. Wenn Die erste Zeile auf Senf, Zuckert eig oder Lebertran geendigt hätte, so hätte er Marie gefragt, ob sie mitginge nach G s n f, Braunschweig oder Teheran . . . ., und so wird nachgewiesen, daß das ganze Gedicht mit seinem rotblühenden Garten im stillen Mondenschein, den Lotosblumen,- Veilchen und Rosen' und duftenden Märchen, mit den frommen klugen Gazellen und des heiligen Stromes Wellen auf lauter-Täuschung beruht. Offenbar ein Verwandter dieses tugendhaften Helden ist unser Professor Droogstoppel. Selbiger ist Professor der Assyriologie an der Universität Berlin und nennt sich gewöhnlich Friedrich. Delitzsch. Der großen Öffentlichkeit ist er bereits durch zwei Vorträge „Bibel und Babe!" aus den Jahren 1902 und 1903 bekannt geworden, die zwar fast von der gesamten gelehrten Welt ab-

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