Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1920)
- Article
- [Ohne Titel] / K. A.
- Date
- 1920-05-01
- Page
- 158 (sequence 2)
- Language
- German
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158 Im deutschen Reich Wer die Ereignisse der letzten Monate verfolgt hat, der wußte, daß der An t i se m i t i sm u s oder, politischer ausge- Lrückt, der Kamps gegen das Judentum, eine bedeutsame Rolle in dies ein Wahlk um p f spielen wird. Wie bislang einzelne Richtungen nahezu ausschließlich von dem Antisemitismus gelebt und durch ihn auch nicht unerhebliche Erfolge davongetragen haben, so wird man jetzt — durch diese Erfolge gestärkt — erst recht versuchen, diese Parole zu vertreten. Und über eines kann man nach den gemachten Erfahrungen sicher sein: wenn auch manches von dem, was in den Wahlaufrufen als - Parteiziel verkündet wird, niemals — von der eigenen Partei am wenigsten —- verwirklicht wird, der Gedenke des Kampfes g egen daL Judentum wird sich sicherlichderRealisierungersreuen. . Für die deutschen Juden ergibt sich daher die Notwendigkeit, die eine Lebensnotwendigkeit ist, den,politischen Dingen, die im Augenblick sich abspielen, eine Aufmerksamkeit sondergleichen zu schenken. Wenn für die anderen es sich bei dem Sieg der gegnerischen Partei nur darum handeln kann, daß diese oder jene politische, wirtschaftliche oder geistige Idee, die man selbst vertritt, eine Niederlage erlebt, handelt es sich bei uns Juden darum, daß der,Sieg unserer Gegner unsere persönliche Niederlage, die Vernichtung d es Re ch t e s, die Vernichtung unserer Existenz, die Vernichtu n g u n s e r e r Ehreund vielleicht sw g a r letzten Endes einmal die Vernichtung unseres Lebe n s bedeutet. D e s h a l b , d e u t s ch e I u d en , s e d a u f ü e r H u t? Damit soll nicht etwa eine Losung für eine bestimmte politische Partei ausgegeben werden; dazu haben wir in diesen Blättern nicht die Ermächtigung; denn der Centralverein ist eine Organisation, die zu den politischen Parteien keine bestimmte; Stellung einnimmt. Für uns gibt es nur die Losung: Kampf gegen den Antisemitismus, wo und auf welcher S ei t e er nur imm er s i tz t. Deshalb ist es unsere Pflicht, die Aufmerksamkeit aufs höchste zu schärfen; denn die Erfahrung lehrt leider, daß wir die Gegner auch da finden, wo wir sie am wenigsten vermuten; und wie oft haben wir nicht gesehen, daß Menschen, deren politische Meinungen und Anschauungen sonst so sehr auseinrndergehen, sich in dem einen Gedanken der Jndengegn erschuft brüderlich zusammenfinden. Aber es gibt auch Parteien, die offenbar großen Wert darauf legen, ihre antisemitische Gesinnung beim Wahlfeldzug zu bekunden. - Die Deutschnationale Volkspartei hat sich bemüßigt gesehen, einen sehr umfangreichen Wahlaufruf herauszugeben,