Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 5 (Mai 1920)
- Article
- Der Centralverein und die jüdische Lehrerschaft
- Date
- 1920-05-01
- Page
- 157 (sequence 4)
- Language
- German
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Zeitschau 157 bringen und fo tin Werk zu schaffen, ohne dessen Zustandekommen die Zukunft des Judentums in Deutschland auf das ärgste gefährdet ist. Noch eine andere einschneidende Maßnahme ist für die Verwaltung der jüdischen Gemeinden unerläßlich. Die alten -Herren, die heute zumeist am grünen Tische der Gemeinden beraten und beschließen — alle Achtung vor ihrem guten Willen —, sind allein zu so völligen Umgestaltungen im Gemeindeleben nicht fähig. Sie find Vertreter einer alten Zeit, die sich überlebt hat, und -können sich nicht entschließen, Forderungen zu gewähren, die den Bedürfnissen einer neuen Zeit sich unpassen "sollen. Sie wissen nicht anderes, als daß der jüdische Lehrer nur dann eine. Gehaltszulage erhält, wenn er sehr artig darum bittet und in jedem Falle erst die Bedürftigkeit nachweist; sie können sich eine einflußreiche Stellung des Lehrers — kaum des Rabbiners —, in der Gemeinde nicht denken. Sie sind noch zu sehr an den Geist des preußischen Militarismus gewöhnt, von dem auch die jüdische Gemeinde getränkt war, daß der Kultusösamte — cum grano salis — vor dem Gemeindevorsteher stramm zu stehen hat. Junges Blut muß in unsere Gömeindestuben einziehen; neben unseren alten Gemeindevorstehern und Repräsentanten müssen auch jüngere Kräfte, ja, direkt j u n g e Kräfte, mitrat.sn und beschließen können. Eine Reform der Gemeindeverfassung ist darum auch in' der Weife unerläßlich, daß überall die Verhältniswahlen eiugeführt werden,^ die es ermöglichen, daß in der zukünftigen Gsmeindestube alle Parteien und all e Altersklassen vertreten sein werden. Nur auf diesem Wege wird eine zeitgemäße Neugestaltung der wirtschaftlichen und sozialen Stellung der jüdischen Lehrer in den Gemeinden sich ermöglichen lassen. Aber Eile tut in diesen Dingen not. deutsche Republik rüstet zum ersten Wahlkampf nach ihrer Konstituierung. Es wird heiß, sehr heiß dieses Mal zugehen. Die Politisierung der Volksmassen hat in einem erheb- ' lichen Maße zugenommen. Dann aber haben diese Wahlen eine ungleich höhere Bedeutung, als sie je zuvor eine Wahl in Deutschland gehabt'hat. Das Ergebnis der Wahl bringt zugleich die Entscheidung über die Herrschaft innerhalb des Deutschen Reiches. Und da Herrschaft immer noch etwas sehr Erstrebenswertes ist, hat jeder ein Interesse daran, daß er den Sieg davonträgt. Der Feldzug beginnt. Als Auftakt haben die Parteien ihre Wahlaufrufe herausgegeben. Sie enthalten nicht viel Neues. Sie geben nur das wieder, was soundso oft in Parteientschließungen zum Ausdruck gekommen ist und was die offiziellen Partei-. redner von der Tribüne der Nationalversammlung dutzendsach verkündet haben. Aber die Ideen der Parteien in konzentrierte Form gebracht, geben jedem leicht die Möglichkeit, sich über den Stand/der Dinge zu orientieren. Sie schaffen auch Ausblick über das, was sich ereignen wird, wenn diese oder jene Partei den Wahlsieg davonträgt.