Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 4 (April 1920)
- Article
- Gegenrevolution!
- Date
- 1920-04-01
- Page
- 136 (sequence 7)
- Language
- German
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136 Im deutschen Reich Was unser Ce n t r a l v e r e i n in diesen sorgenvollen Tagen, was er seit Monaten in der Bekämpfu n g d e s Anti s e nr i t i s m u s geleistet hat, das ausführlich 'darzustellen, ist noch nicht an der Zeit. Er hatte eine schwere Verantwortung in den Händen. Ihr ganz zu dienen, galt seine Tag und Nacht ununterbrochene Arbeit. Daß sie erfolgreich gewesen war, spürt jeder, der die vorstehenden Zeilen achtsam liest. Sie noch erfolgreicher zu gestalten, muß die Herzenssache unserer Freunde i m L a n d e s e i n. Führt uns neue Mitglieder zu! Stärkt unsere Finanzen! Wenige Wochen trennen uns von den Wahlen. Sicher schlägt der Antisemitismus, hinter dem gewaltige Gelder stehen, dabei Riesenwogen. Auf zum unermüdlichen Kampfe gegen ihn! Denn dieser ist e i n „g e w i s s en l o s e s Tr e i b e n , u m d i e Wutder ungebildeten Masse gegen eine Minderheit zu erregen." 26. Marz 1920. Es lag in den ersten Märztagen dieses Jahres wie Frühlingshoffen im deutschen Volke. Aus Vernichtung und Zusammenbruch schien sich der Wille des Volkes emporzuringen zu neuer Arbeit und neuer Erhebung. Ueberall sah man, daß die Arbeitslust sich hob, daß die Arbeitsleistungen in erfreulicher Weise stiegen, und man sah, daß auch der Kredit, den man dem deutschen Volke einräumte, stärker wurde. Die größte Sorge, die Valutasorge, schien sich mindern zu wollen. Für uns deutsche Juden hatten allerdings die Verhältnisie sich noch nicht allzu rosig gestaltet. Man weiß, daß die Hetze gegen uns außerordentlichen Umfang angenommen hat und daß die Gegner alle Hebel in Bewegung setzten, um uns zu schädigen. Nichtsdestoweniger fühlten aber auch wir in innerster Seele die Wandlung mit, die sich im deutschen Volke, unserem Volke, zu vollziehen Wen. Denn das Schicksal des deutschen, Volkes ist unser Schicksal, sein Niederbruch war unser Niederbruch, sein Aufstieg ist unser Aufstieg. Und wir hofften, daß die Zeit der Erhebung zugleich die Zeit des Niederbruches des Judenhasses sein würde. Da wehte ein Wintersturm durch die deutschen Lande und vernichtete mit einem Schlage die zarten Keime, die aufgesproßt waren. Furchtbare Tage hat das deutsche Volk in der Zeit, die seit dem 13. März verflossen ist, durchlebt. In dem Augenblick, in dem diese Zeilen geschrieben werden, können wir noch nicht den ganzen Umfang des Unheils, das angerichtet worden ist, übersehen. Wir sind' fast ausschließlich über die Dinge, die