Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 3 (März 1920)
- Article
- Judentum und Internationalismus in der deutschen Frauenbewegung
- Date
- 1920-03-01
- Page
- 107 (sequence 5)
- Language
- German
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Zütschcm 107 Nationalismus ist ein Knall ins eigene Lager. Also somit müssen wir Jüdinnen auch ablehnen, die Erfinderinnen der „neuen Ethik" zu sein. Wir wahren Jüdinnen — E. Witte —, das lassen Sie sich zum Schluß ganz ausdrücklich gesagt sein, sind glücklich mit unserer alten, geheiligten Echik, die da lehrt, seinen Nächsten wie sich selbst zu lieben, die da lehrt, nicht als Verleumder in seinem Volke umherzugehen, die da lehrt, Ehrfurcht zu haben vor dem, was um uns ist, was über uns ist, was unter uns ist. Vielleicht vertiefen Sie sich einmal in unsere jüdische Ethik, dann werden Sie vielleicht aushören niederzureißen und zu verfolgen. Sie werden dann auch wissen, daß auch wir deutsche Staatsbürgerinnen jüdischen Glaubens an dem Wiederaufstieg unseres geliebten, unglücklichen Vaterlandes arbeiten, — aber unsere jüdische Ethik lehrt uns, daß Ihre Wege — E. Witte — nicht.unsere Wege sind. Sidonie Werner -Hamburg. Die Antisemiten haben es in der Tat herrlich weit gebracht. Sie haben eine Jugend zur Verfügung, die auf den leisesten Fingerdruck reagiert und dann bereit ist, sich «tii der ganzen Glut der ihr eigenen Begeisterung für den Antisemitismus einzusehen. Es erscheint uns verkehrt, hier über unreife Menschen zu spötteln, die sich zu Vorträgern einer solchen Agitation hergeben. Aus der einen Seite würden wir dann Jugendarbeit gering schätzen, die wir auf der anderen Seite zu heben versuchen. Die Jugend hat heute den Drang, sich in erhöhtem Maße politisch zu betätigen. Die Zeiten nähren einen solchen Drang. Aus sich heraus hat die Jugend, die völlig neu in dieses politische Getriebe hineingedrängt wird, nun aber nichchdas Verständnis für die großen politischen Strömungen und Ereignisse. Sie bedarf einer geschickten und zielbewußten Führung. Die Gesamtheiten, die wach gewesen sind, haben diese Erscheinung erkannt und sie vortrefflich ausgenutzt. Die Antisemiten wußten, daß ihre Stoßkraft ganz erheblich verstärkt würde, wenn statt aus ihren Aemtern entlassener, verärgerter Greise an ihrer Spitze tatkräftige, lebensfrohe Jünglinge stehen würden. Es bedurfte aber eines Schlagwortes, um die Jugend für einen solchen Kampf, der kultnrwidrig und Wider die Freiheit überhaupt ist, zu begeistern. Es ist eigentlich das erstemal in der Geschichte, daß sich Jugend für die Ideen des Konservativismus begeistern läßt, anstatt die feurige Bannerträgerin des Liberalismus zu sein. Die Dinge mußten also so gedreht werden, daß das, was war, die -Freiheit und die Idee des Rechts und das, was ist, Unfreiheit, Gesetzlosigkeit und Materialismus darstellt. Das Schlagwort von der Vernichtung des Deutschtums durch die