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Im deutschen Reich · 1920-03-01 · Heft 3 (März 1920) · p. 106

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 3 (März 1920)
Article
Judentum und Internationalismus in der deutschen Frauenbewegung
Date
1920-03-01
Page
106 (sequence 4)
Language
German
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108 AM deuLschen Reich men — find alle Ihres Glaubens. Wenn Sie mir nicht glauben — E. Witte — fragen Sie der Reihe nach bei den Borstandsmitgliedern an. Sie werden auf den Sie und mich verstimmenden Namen von Alice Salomon stoßen; aber auch die denkt und fühlt jetzt lang schon — Protestantisch —, sie hat sich von uns losgesagt. Es ist nämlich nicht ganz leicht, „in der Gegenwartsgeschichte" seinen jüdischen Glauben zu behalten und die Rechte einer deutschen Staatsbürgerin zu genießen — nicht leicht — aber herrlich ist es, um einer Idee willen — um seines Glaubens willen zu leiden — und sich feXBft treu zu bleiben. Können Sie das verstehen, E. Witte? Nein? Dann blicken Sie über sich, gestalten Sie Ihren kleinen, persönlichen Gott größer, sagen Sie sich, er sei ein Allvater, ein Allweiser, er sei ein Gott des Verstehens, blicken Sie unter sich — E. Witte —, betrachten Sie die Menschen mit dem für Sie „fremden Geist" mit dem heißen Erbarmen, das Ihr Religionsstifter für die Mühseligen und Beladenen hatte —, dann wird Ihnen der Geifer trocken werden, und Sie werden mit Worten nicht abtun können, was begriffen werden will, was so subtil, so fein gegliedert ist, daß man sich tief neigen muß — E. Witte —, ehe man die Hand zum Steinwurf hebt. Nun aber weiter zur Sache. Unwahr ist auch Ihre Behauptung — obgleich ich darin keine Herabsetzung der Qualität der Vorstandsmitglieder sehe, — aber eine Unwahrheit ist eine Unwahrheit —, daß alle 9 Vorstandsmitglieder Demokratinnen mit zum Teil starker Hinneigung zur Sozialdemokratie sind. Ich lami mit Bestimmtheit dagegen ansühren, daß die eine hier in Hamburg lebende Dame eine führende Rolle in der Deutschen Volkspartei einnimmt, ich kann auch mit Bestimmtheit behaupten, daß eine Dame, die bis vor kurzem dem Vorstand des Bundes Deutscher Frauenvereine angehörte, erst, der radikalsten Richtung in der Sozialdemokratie zugehörte und dann „deutsch-national" bis auf die Knochen war und ist. Aber ich sage das nur zur Richtigstellung, — denn Politik und Glaube — sind für mich Privatangelegenheiten — E. Witte. Sie belieben ferner zu behaupten, daß „die Mitgliedschaft der Vereine stark verjudet ist". Ist das -ein Angriff oder eine Anerkennung? O, Herr, dunkel ist der Rede, Sinnt Daß der „Jüdische Frauenbund" Ihnen ein Splitter im Auge ist, — das kann ich verstehen, ich hoffe —, er wird Ihnen noch einmal zum Balken. Auf Ihren Angriff „Marianne Weber" hier einzngehen, verbietet mir die hohe Würde, die von dieser vornehmen Frau ausgeht, deren Geist und feine Witterung „der Gegenwartsgeschichte" noch den Stempel aufdrücken wird, warten Sie es nur ab — E. Witte! Und nun werden Ihre Ungeheuerlichkeiten so groß, Ihre Kombinationen so grotesk, Ihre Folgerungen so naiv, daß ich aufhore, Sie ernst zu nehmen — E. Witte. Lida Gnstava Heymann — muß natürlich eine Jüdin sein, der Name hat es Ihnen wieder angetan —, aber weder sie noch Anita Augspurg sind deutsche Staatsbürgerinnen jüdischen Glaubens — sie beten beide zu Ihrem Gott — E. Witte —, auch die beiderseitigen Eltern waren Ihre und nicht meine Glaubensgenossen. Also — Ihr Ausfall gegen diese Jüdinnen und somit gegen den Inter-

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