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Im deutschen Reich · 1920-03-01 · Heft 3 (März 1920) · p. 102

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 3 (März 1920)
Article
Moralische Valuta
Date
1920-03-01
Page
102 (sequence 6)
Language
German
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202 Im deutschen Reich Die „Deutsche Wacht" in Bonn schrieb wörtlich am 23, 1. 20: .. Für Haus- und Familienehre haben deutsche Geschworene und Richter Verständnis, für nationale Ehre offenbar nicht. Der Rächer der nationalen Ehre wird zum Tode verurteilt. Wo in der ganzen nichtdeutschen Welt ließe sich noch ein Gerichtshof sinder;, der für eine Tat, wie sie der junge Graf Arco Valley begangen hat, die Todesstrafe aussprechen könnte? Man setze einmal den — natürlich ganz unmöglichen — Fall, in Frankreich habe es ein galizischer Jude verstanden, mit Hilfe der Volkshefe die Gewalt an sich zu reißen, und er mißbrauche diese Gewalt, um nach außen das Land durch Veröffentlichung gefälschter Dokumente bloßzustellen, zu verraten, nach innen eine Tyrannei nach dem Gefallen des Verbrecherpöbels zu errichten. Der Patriot, der den Mut fände, das Land von dem Scheusal zu befreien, würde als N a t i o n a l h e r o s gefeiert, ähnlich wie die groß denkenden Völker des Altertums die Tyrannenmörder gefeiert haben, wie die Schweizer ihren Tell. Französische Richter, die es gewagt hätten, den Patrioten, der doch im Grunde nur der Vollstrecker des besseren Volkswillens war, zum Tode zu verurteilen, wären von den Schranken heruntergeholt und gelyncht worden." . . . „Was alle Guten und Vernünftigen im Lande wünschten, hat einer gewagt zu tun. Und für diesen Akt völkischer Notwehr, für dieses Opfer, das einer für das ganze Volk brachte, wird dieser junge Held, der einzige, der in der trübsten Zeit der bayerischen Geschichte noch Mut gezeigt hat, zum Tode verurteilt. Ein solches Urteil muß alle Begriffe von Sittlichkeit, Recht und Männertugend verwirren und zerstören." . . . Kurz darauf fielen die Schüsse auf Erzberger und — die gesamte dentschnational-antisemitische Presse rückt ab von dem „jugendlich unreifen" Attentäter und beteuert tiefste Entrüstung. Otterngezücht! Wie jener Abgeordnete, der dem Vary in „Semaels Sendung" den Revolver in die Hand drückt, weil dieser „die Partei kompromittiert" habe, nachdem er ihr willfähriges Werkzeug gewesen. Da sind doch wenigstens diejenigen Deutschnationalen ehrlich, die kurz nach' dem Attentat eine Freudenfeier veranstalteten und es später aufrichtig bedauerten, daß die Kugel von Bubenhand nicht den Weg ins Herz gefunden! Antisemitismus ist Kulturschande, Antisemitismus in diesem Ausmaße und in dieser tückischen Weise aber Barbarei und Kannibalismus. Will Deutschland, daß Asien am Rhein a n f ä n g t? Die'Reichsbank kauft die deutsche Silbermark zum Achtfachen, das Goldstück zum Fünfzehnfachen des Nennwertes auf. Dies bedeutet für uns, die wir noch gesetzliche Goldwährung haben, die amtliche Anerkennung des tatsächlichen Zustandes, daß unsere Papiermark im Jnlande kaum sieben Pfennig.mehr wert ist. Das ist eine Tatsache, die auch der überzeugteste Antisemit nicht wird übstreiten können, und die ihm, mag er Großagrarier oder Schwerindustrieller fein, zweifellos nahegeht. Der Wert des Geldes, die Valuta eines Landes, hängt nun.nicht allein von dem Verhältnis der Ausfuhr zur Einfuhr ab, sondern beim Schuldnerstaat auch von der sonstigen

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