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Im deutschen Reich · 1920-03-01 · Heft 3 (März 1920) · p. 98

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 3 (März 1920)
Article
Moralische Valuta
Date
1920-03-01
Page
98 (sequence 2)
Language
German
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98 Im beutfcfjeu Reich' Probe zu bestehen hat, well eben einzig dieser Glaube uns gegenwärtig eherner Fels ist, um denen 'zu trotzen, die durchaus uns ins Lager volksfeindlicher und volksschädlicher Elemente zu treiben bestrebt sind. Und weil — Irrewerden am Glauben jetzt gleichbedeutend wäre mit Zusammenbruch dessen, was über dem engen materialistischen Jnteressenkreis der eigenen Persönlichkeit hinaus uns Lebensideal und Inhalt und Ziel ist. Dieser unser unerschütterlicher Glaube darf aber nicht ein wohliges Pfühl sein, in dem wir uns hineinträumen in das Zukunftsland unserer Sehnsucht, und, der unerbittlich harten Wirklichkeit abgekehrt, den bestrickenden Variationen des Liedes „Es wird schon wieder alles gut werden" lauschen. Harte Zeiten fordern Kämpsernaturen, nicht Träumer. Traum ist Erholung von Kampf und Arbeit, nicht Selbstzweck. Und glauben heißt nicht vertrauensselig die Hände in den Schoß legen und auf das große Wunder warten, sondern verpflichtet, mit rücksichtsloser Anspannung aller Kräfte für das als richtig Erkannte einzutreten. Dann, aber nur dann, kann alles gut werden. Warten wir nicht ausandere; b eit n wir wissen nie, ob nicht die anderen auf uns warten. Der Kampf ums Dasein weckt die Lust am Dasein. Der Schmerz um den Verlust weiter Gebietsteile unseres Heimatlandes läßt vaterländische Gefühle gewaltig erstarken, oder richtiger, latente Gefühle deutlicher ans^Tageslicht treten. Wie ja ein Messer scharf ist, auch wenn ich nicht schneide. , Warum ich „vaterländisch" sage und nicht deutsch: „national"? Weil den deutschnationalen Kreisen, soweit sie antisemitische Tendenzen haben — und das ist, wie die Entwicklung der letzten Zeit zeigt, in immer stärkerem Maße der Fall, das Recht abgesprochen werden muß, die Partei der Vaterlandsfreunde zu sein, da gerade ihre Haltung am meisten dazu beiträgt, das Ansehen Deutschlands in der Welt in den Schmutz zu zerren und den Zusammenschluß aller aufrichtigen, volkserhaltenden Kräfte zu hintertreiben. Mit dem Schlagwort: „Deutschland den Deutschen" wirb versucht, die Mitarbeit der deutschen Juden» deren Vaterland nach antisemitischer Darstellung die andern Juden sind, zu verhindern. Daß eine solche Anschauung überhaupt auf fruchtbaren Boden fallen kann, ist kein erfreuliches Zeichen für den deutschen Intellekt, und verständlich erscheinen die Worte des sozialistischen Gelehrten I e n s e n, der unlängst in einer Studentenversammlung sagte: „Wenn ich Rassentheoretiker wäre, würde ich mich schämen, Deutscher zu sein! Bedenkt man nicht, daß mit gleichem Recht, mit dem mau Juden den Vorwurf des Internationalismus macht und ihnen die Möglichkeit deutschvaterländifchen Empfindens abspricht, dem ehemaligen Haupte der Nation, dem Hohenzollerngeschlechp, derselbe Vorwurf gemacht werden könnte, weil es versippt und verschwägert mit den gesamten Herrscherhäusern Europas war? Hat man die Hei-

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