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Im deutschen Reich · 1920-02-01 · Heft 2 (Februar 1920) · p. 95

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 2 (Februar 1920)
Article
Die innere Krisis im Zionismus [Rezension]
Date
1920-02-01
Page
95 (sequence 3)
Language
German
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Bücherschau 95 herangebracht". Religiosität wird subjektivistisch, im Sinne der Mystik, gefaßt: als „Ueberbau" der „Volkskultur", als metaphysische Krönung der „Renaissance des Judentums", deren diesseitigen Abschluß die Wiedererweckung der hebräischen Sprache bildet. „Religion wird (in den Extre--' men) gleichgültige oder subjektive Mystik, ja sogar von einem außerreligiösen Judentum kann angesichts des neuerp „KulLurjuden- Lums" gesprochen werden. (Andererseits wird „auch den Gesetzestreuen ein wünschenswertes Ziel geboten: an alter geheiligter Stätte ihre Formen m Wahrheit leben zu können".) Zweifellos richtet sich das Wollen, der Zionisten aus ein „Letztes und Höchstes"; sie glauben an eine religiöse Erneuerung, sei es durch die „Heimkehr", sei es zu deren Vorbereitung, — aber die Grundlage zu alledem ist nicht das Bekenntnis zur heiligen Lehre, sondern vitale Triebhaftigkeit. Nicht die gewaltige Unmittelbarkeit der Versöhnungsidee ist es, an die sie anknüpfen, um den „Dauergroll" zu überwinden, sondern die nebelhaften „Instinkte" des Mystizismus sollen die Judenheit leiten, um ihre „Geschichte gleichsam von vorn zu beginnen". So stellt sich der Kulturzionismus als eine typisch romantische Geistesrichtung dar: mit dem sie kennzeichnenden Irrationalismus, der Verneinung von Geschichte und Tradition, der Betonung des Blut- und Gefühlsmäßigen, den sprachschöpferischen Bestrebungen, der Zivilisationsflucht und schließlich jenem „Formalismus des Gefühls", der „feste materiale Haltepunkte und Werte erst für die Zukunft verspricht und deren Auffindung dem ,aus sich rollenden Rad" des in seiner Natürlichkeit zum Schöpfer werdenden Menschen überläßt". — Beim Gesamtüberblick gewährt der „geistige" Zionismus das Bild eines sozialen Vitalismus: der „jüdische Mensch und das jüdische Volk werden zum Selbstzweck, der sich in der höchsten Leistung eigener Kultur erfüllen soll". Für die Kritik . ergibt sich daraus, daß der Kulturzionismus im großen das ist, was seine Anhänger dem einzelnen Nichtzionisten vorzuwerfen Pflegen: A s s i Milan t e n t u m; er „assimiliert die Judenheit in der Form eines realen Volkes den Völkern". Und er „verkehrt den Wertvang in den geistigen Elementen des Judentums", was „dazu führt, unter Judentum eine Angelegenheit gleichen Wesens zu sehen wie etwa unter Deutschtum". Das ist der Grund, weshalb Strauß von einer „inneren Krisis" spricht, die der Zionismus in sich birgt: „Nur die heilige Lehre, der Glaube, gibt hier einer Stammesgemeinschaft den auszeichnenden, echt solidarischen Sinn, der an sich mit eigener Kultur nichts zu tun hat, nicht aus Lebensgemeinschaften sich entwickeln kann und von irgendwelchen räumlich-zeitlichen Ausformungen derselben unabhängig bleibt. Wird der Zionismus nicht etwa über seinen Wirklichkeiten der Lehre vergessen, so muß der Sinn des Judentums über ihn hinauswachsen.... Seinen eigensten Platz einzunehmen ist . das Judentum nicht als Kulturerscheinung, nicht als Ideologie berufen, sondern als gelebter Glaube ... ." Dies ist in kurzem der Inhalt des Straußschen Büchleins. Hoffentlich läßt die vorstehende gedrängte Darstellung bereits erkennen, daß dem Verfasser ganz besondere Anerkennung, der Schrift eine besondere Wertung gebührt. Vielleicht zum erstenmal — von einigen Bemerkungen Constantin Brunners in seinem „Judenhaß" abgesehen -- ist hier der Versuch unternommen, den Zionismus nicht in seinen äußeren Wirkungen, seinen Erscheinungsformen zu betrachten und zu beurteilen, sondern seinen Wesenskern bloßzulegen und zu kritisieren. Diese kleine Schrift durfte denen, die auch heute noch in kompromißlerischer Naivität den Streit zwischen Centralverein und Zionismus für eine Angelegenheit des politischen Alltags halten, die Angen darüber öffnen, daß der Z i o n i s m u s (in seiner nationalistischen Ausprägung!) eine Welt- und Lebensauffassung bedeutet/und daß ein beachtenswerter Erfolg im Kampfe gegen ihn nur denen

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