Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 26 (1920)
- Issue
- Heft 2 (Februar 1920)
- Article
- Die innere Krisis im Zionismus [Rezension]
- Date
- 1920-02-01
- Page
- 94 (sequence 2)
- Language
- German
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.94 Im deutschen Reich ander, sondern er versucht, die geistigen Grundlagen, die letzten Wert- Haltungen des jüdischen Nationalismus klarzulegen und zu kritisierend Es bildet nicht die Tatsache, die „Existenz" der zionistischen Bewegung den Gegenstand der Untersuchung, sondern ihr Wesen, ihre „Essenz"; ethische Kritik will Strauß am Zionismus üben. — Zunächst gibt die SHrist einen Ueberblick über den Werdegang der Bewegung, wobei Strauß sofort darauf hinweist, daß der Sinn des Zionismus von seinen ersten Anfängen an ein wesenhaft anderer gewesen sei als der „in den heiligen und apokryphen Schriften waltende Zionsglaube; es muß zwischen Zion und Zionismus ein ebensolcher Unterschied gemacht werden, wie zwischen Messias und Messianismus". Der Zionismus ist aus einer politischen Bewegung zum Träger einer „jüdischen Weltanschauung" geworden. Seine- Entwicklung erklärt sich als Reaktion auf die religiöse Verflachung der westeuropäischen Juden infolge der staatsbürgerlichen und gesellschaftlichen Gleichstellung und der wissenschaftlichen Aufklärung, — als Reaktion auf die Trennung der Juden heit vom Juden t u m. Der Zionismus stellt einen Versuch dar, das „Eigengesetzliche, Selbständige" des Judentums wieder zum Bewußtsein zu bringen, die Judenheit wieder mit jüdischem Geist - zu durch drin gen, freilich —. und das ist das .Entscheidende — nicht mit dem religiösen Geist der Bibel, sondern einer „moderneil" WelLauffassung: der des historischen Evolutionismus, dem Gedanken des „Werdens von unten". So charakterisiert sich der Zionismus gleichzeitig als „Erscchjudenturn" für die religiös Indifferenten sowie als Reaktion auf den Antisemitismus, der durch Bejahung seiner eigenen Behauptung: „Ihr seid ariderer Art" bekämpft werden soll. — Der Hauptabschnitt der Schrift dient der Darlegung des zionistischen Ethos, seiner geistigen Struktur: Die Werthaltungen des Zionismus sind positiver und negativer Art. Die negative WerLh 6 l L u n g kennzeichnet sich als eine Art „Verelendungstheorie", sei es, daß diese unter dem Schlagwort der „Entjudung", sei es, daß sie als „Dauergroll" (Max Scherer spricht hier von „innerem Ghetto") offenbar wird; auch gerade in der Bejahung der antisemitischen Behauptungen zeigt sich diese Negativität, dieses „Fremdheitsgefühl", diese „innere Judennot". Die letzte Wurzel, aus der diese Halbung — und danach auch das positive Ethos "des Zionismus — entspringt, ist die Annahme der vitalen Werte als des letzten Wertmaßstabes überhaupt: „Die dunkle Zuständlichkeit der Rasse oder des ,VluleD erhält einen höchsten Wertrang, beherrscht das ganze, auch das geistige. Leben." - Strauß betont ausdrücklich, daß er es „für einen grundsätzlichen Fehler halt, wenn der vitalen Wurzel des Juden: seinem Stamm, von manchen Seiten immer noch eine Bedeutung überhaupt abgesprochen wird. Aber es kommt alles daraus an, wie man die Wurzel bewertet, wie ment ihren Stellenwert und ihre Bedeutung in der Geschichte bestimmt. H i e r hat sie die entscheidende Stelle erhalten". Eie dient dazu, das „Fremdheitsgefühl" des Zionisten zu recht- 'ertigen, und sie erhält weiterhin p o s i t i v e Bedeutung als Grundlage ■ )es „Knlturzionismus": .jener Idee, welche die „abgerissene Bindung zwichen Judentum und Judenheit wiederherstellen" soll. Das Judesein hat 'ür den Zionisten einen v ö l k i s ch e n Sinn, die Judenheit die Bedeutung einer „Nation als K n l t u r g e m e i n s ch a s t: zum jüdischen Volft hat der Zionist den .jüdischen Menschen' hinzuentdeckt". Das Bild der Ostjndcn, bei' denen Judenheit und Judentum noch eins sind, schwebt den jüdischen Nationalisten vor; nur sehen sie es anders als die Nichtzionisten: sie verwechseln den religiösen Glauben mit dem „Glauben an das Volk"! Es- „wurde jetzt nicht danach gefragt, inwiefern es der im Ostjuden lebendig gebliebene Glaube, inwiefern es die Lehre selbst gewesen sei, die den jüdischen Lebensgemeinschaften den inneren Halt verlieh". Sondern „das Volk wurde ohne weiteres als das Ursprüngliche gefetzt, aus ihm wurde Religiosität abgeleitet und dieses Vorbild an den jüdischen Menschen des Westens