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Im deutschen Reich · 1920-01-01 · Heft 1 (Januar 1920) · p. 11

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
26 (1920)
Issue
Heft 1 (Januar 1920)
Article
Semi-Imperator
Date
1920-01-01
Page
11 (sequence 2)
Language
German
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EMi-JmpersLsr 11 denschaftslos zu denken wagt, der sich nicht offen zum LntisemiLisrrms bekennt. Wer nicht für uns ist, ist gegen uns; und ist er nicht Antisemit, so ist er —' Jude.» mag er auch König im Reiche der Kunst und Wissenschaft, der Politik oder der weltlichen Macht sein. Für diese vorweggenommene Folgerung ergibt sich die Richtlinie der nachträglich zu setzenden 'anLisemMschen BeweisWrung von selbst: Jüdische „Uassenmerkinaltz" körperlicher und geistiger Art müssen 'gefunden werden und werden auch von den nach besonderen optischen Gesetzen konstruierten anKemitifthen Wntgenaugen Gefunden. Rnter den zahlreichen Bespielen hierfür seien nachstehend eirütze besonders drastische erwähnt: Goethe, unser Goethe, hat sich nicht etwa wegen seiner Berehmmg Spinozas, sondern dadurch die Feindschaft der Antisemiten zugezogen, daß er ihnen trotz der unendlichen Fülle seiner Werke kaum einen Anhalt bot, ihn als einen der ihren mit Beschlag zu belegen und mit der Macht seines Namens gegen die Juden zu kämpfen.' Armer Goethe! .Die schwere antisemitische Artillerie gegen ihn gerichtet, Drecksalven über Drecksalven auf den „Diener- Haften, Pornophilen Frankfurtsprößling", den „Teufelsbeschönigsr", den „Komischen. Olympier" mit der „sinnlichen Frankennatur und den entsprechenden hebräischen Regungen" gefeuert. (Eugen Dührtng, „Freie Worte" 1901.) Das Verdienst, Goethes wahre Zudesnatur erkannt zu haben, gebührt vornehmlich einem unter dem Pseudonym Hans Hermann schreibenden alldeutsch-deutschvölktscherr Rassensanatiker, der in seinem im Jahre 1803 erschienenen Büch „Das Sanatorium der freien Liebe" folgendes Urteil über Goethe wiedergibt: „Sieht man nun Goethe ent: diese vorguelleuden dunkelbraunen Augen, diese an der Spitze gekrümmte Nase, diesen.langen Oberleib mit den kurzen Beinen, welchen selbst ein leicht wehmütiger Zug nicht fehlt, dann haben wir ganz das Urbild eines Nachkommen Abrahams vor uns. Goethe war Mischling durch das Blut seiner Mutter, und nicht nur in seinem Aerrßeren prägte sich seine Abstammung von den alttestamentarischeu Helden ab, sondern auch in seinem ganzen Wesen. Seme glühende Sinnlichkeit und ewige Verliebtheit, seine unsittliche Lebensweise und fragwürdige Ehe, der er erst ganz heimlich die Weihe geben ließ, als 'Napoleon, der gewiß kein Abstinenzler und Tugendbold war, sich eine etwas ironische bezügliche Frage gestattet hatte, sein Servilismus gegen Fürsten, der seinem steifnackigen Vater so zuwider war. Sein völliger Mangel an Vaterlandsliebe, feine Feigheit bem christlichen Erkenntnisse ferner Zeit gegenüber und noch ganz andere Züge reden eine zu deutliche Sprache, als daß ein Mensch von unbefangenem Arteil sich bn- Ueberzeugung verschließen könnte, daß Goethe weit mehr Semit als Tonischer war." And was den Antisemiten mit Goethe gelungen ist,-warum soll es ihnen nicht auch glücken, jedem ihnen aus politischen Gründen Mißliebigen den vermeintlichen Makel jüdischer Abstammung anzuhängen? So schreibt der „Münchener Beobachter" (Nr. 53) über den ReichsfiuanZminister, ZentrAmsLbgesr-dneterr Matthias Erzöerger: „Sind es nickst selbst feurige - Katholiken, ja selbst ungezählte Geistliche und Prälaten, welche aus ihrer Ueberzeugung, Erzberger sei Jude,

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