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Im deutschen Reich · 1919-12-01 · Heft 12 (Dezember 1919) · p. 528

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 12 (Dezember 1919)
Article
Der K. C.-Tag 1919
Date
1919-12-01
Page
528 (sequence 2)
Language
German
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528 Im deutsch« Reich Stern. Die zahlreiche Beteiligung der jüdischen Wrlisterschaft in Berlin an den Festlichkeiten hat deutlich gezeigt, daß man sich nunmehr auch in den Kreisen der jüdischen Philisterschaft darüber klär geworden ist, welche Bedeutung der K. C. für die Verbreitung der. Idee von Deutschtum und Judentum und für die Bekämpfung des Antisemitismus an den Universitäten hat. O. G. Eise Asssprache zwische« Christes «sd ZsÄe«! Der Verband der jüdischen Jügendvereme Deutschlands hatte zum 26. November d. I. zu einer Aussprache zwischen christlichen und jüdischen Mitbürgern über das Thema „Christen und Juden in DstttschLarrd" erngeladen. Weit über 1000 Zuhörer, wohl je zur Hälfte Christen und Juden, füllten den großen Saal des Brüdervereinshauses in Berlin und folgten den Erörterungen mit größter Aufmerksamkeit und tiefster Anteilnahme. In seiner Einleitungsansprache hob der Leiter der Versammlung, Dr. Apfel, hervor, daß die jüdische Jugend sich verpflichtet gefühlt habe, in dieser Zeit, in der aüe Kräfte dem Wiederaufbau des Vaterlandes gehören sollten, den Versuch zu machen, durch eine ehrliche Aussprache mit christlichen Mitbürgern der Welle des Hasses, durch den der Antisemitismus augenblicklich alle VerständigungsmöÄichkeiten zwischen Juden und Christen zu vernichten drohe, entgegenzuwirren. Der Redner des Abends, der Schriftsteller und Ethiker Dr. Johannes Müller, Herausgeber - der „Grünen Blatter", kennzeichnte den Antisemitismus als eine Schwächeerscheinung der Nation. In keinem Volke mit einem, ausgesprochenen Gefühl für nationale Würde sei ein solcher Antisemitismus möglich. Dafür |ei Beweis, daß Oesterreich, Rußland und Deutschland die Länder des Judenhasses seien, während die rvestlichen Staaten mit ihrer parken nationalen Geschlossenheit den politischen Antisemitismus nicht kennen. Mit bemerkenswerter Offenheit legte der Redner die Verfallserscheinungen unserer Zeit, wie sie in Wirtschaft und Presse und im persönlichen Leben des einzelnen sich bemerkbar machen, dar. Aber es sei ein Zeichen von Feigheit und Erbärmlichkeit, für diese Schaden, an denen alle Kreise Anteil haben, die Juden allein verantwortlich zu machen. Nur durch eine Zusammenfassung aller Kräfte, die ohne Rücksicht auf ihr persönliches Interesse dem Ganzen dienen wollen, sei eine Rettung Deutschlands überhaupt möglich. Es ginge nicht an, hierbei die Juden zurückzustoßen, indem mau ihnen ihren Idealismus und Are leidenschaftliche Vaterlandsliebe abstreite. Das Judentum erstrebe bte Verwirklichung des Guten auf Erden. Diesem sittlichen Streben mögen die Juden mit etwas weniger Empfindlichkeit gegenüber einzelnen antisemitischen Angriffen treu bleiben, die Christen mögen sich bemühen, wieder wahrhafte Christen zu werden, und dann mögen Christen und Juden gemeinsam unter Wahrung ihrer Eigenart und ohne ineinander aufzugehen sich zu einer Einheitsfront gegen alle Schädlinge unseres nationalen Lebens wenden. Sr sei sich bewußt, daß nur eine Minorität auf beiden Seiten für diese gemeinsame Arbeit gewonnen werden könne, aber dieser Minorität gehöre die Zukunft. In der Aussprache wies Geheimrat Professor Dr. Strack als christlicher Thsrloge und Kenner des jüdischen Schrifttums den Antisemitismus, aus Gerechtigkeitsempfinden zurück. OberverwalLungsgerLchrsraL Dr. Weymann und Graf Hoensbroech erklärten sich als Deutschnationale bereit, an der von Müller geforderten Einheitsfront mitzuwirken, glaubten aber doch betonen zu müssen, daß durch Rasseveranlagung und geschichtliche Entwicklung die Juden im allgemeinen' einer materialistischen Weltauffaffung geneigt seien, die bekämpft werden müsse. Else Lüders

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