Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1919)
- Article
- Zeitschau
- Date
- 1919-12-01
- Page
- 518 (sequence 7)
- Language
- German
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518 Im deutschen Reich dem Weg, der zu diesen Zielen führt, auch nur um eine Hand' breit abzugehen, sei es um unserer jüdischen, sei es um unserer nichtjüdischen Gegner willen. Wir sind nicht der Ansicht, die das „Jüdische Echo" ausspricht, daß der Antisemitismus erst mit dem Galuth verschwinden wird. Wir sind auch nicht der Ansicht, daß durch eine Stärkung des jüdischen Empfindens, das nach Ansicht des „Jüdischen Echos" doch wohl nur das nationaljüdische sein kann, dem Judenhaß die Spitze abgebrochen werden kann. Die Ereignisie unserer Tage beweisen, daß der Antisemit nicht vor dem nationaljüdisch gesinnten Judentum haltmacht. Wenn wir sogar einen Zeugen für das Gegenteil ansühren dürfen, so möchten wir eine kürzliche Bemerkung der „Täglichen Rundschau" anführen, in der es heißt, daß die deutschnational gesinnten Juden tüchtige Bürger des Landes seien, denen unbedingte Achtung zu zollen sei. Wir haben ein derartiges Attest nicht nötig; wir führen es auch nur an, um den Zionisten zu zeigen, daß ihre Taktik dem Antisemitismus gegenüber sicherlich keinen Erfolg aufzuweisen hat. Und sagen die Zionisten, daß der Judenhaß erst mit dem Galuth verschwinden kann, so müsien sie damit zugeben, daß sie ewig mit ihm zu kämpfen haben; denn von ihnen selbst ist wiederholt erklärt, daß nur ein geringer Teil von ihnen jemals das Galuth verlaßen kann. Pflege des jüdischen Empfindens, Pflege jüdischen Bewußtseins haben wir aber nötig, nicht mit Rücksicht auf die Antisemiten, sondern um des Judentums willen. Das Judentum haben wir in uns selbst zu erhalten und zu starken. Wir haben uns aber auch zu schützen gegen die Feinde unserer Gemeinschaft. Den Schutz üben wir nach wie vor aus, indem wir den Kamps forkführen aus der Grundlage, die für uns von jeher das Fundament unserer Arbeit gewesen ist. K. A. (Abgeschlossen am 20. November 1919.) Jüdische Rundschau. Der November geht zu Ende, und noch immer wartet die Welt aus den Bericht des«Herrn Henry Morgenthau über die Pogrome in Polen. Wie amerikanische Blätter berichten, hat Herr Morgenthau vorläufig über die Ergebnisse seiner Untersuchungen sich in abgerissenen, pythischen Sätzen geäußert. Er habe die Ueber« zeugung gewonnen, daß die Beschuldigungen gegen die polnische Regierung, sie hätte die Pogrome veranstaltet, gänzlich aus der Lust gegriffen seien; wäre dies nämlich der Fall gewesen, so hätten die Pogrome ungleich mehr Opfer gefordert. — Nun wissen wir's ganz genau. Natürlich hat niemand die polnische Regierung;ernals be-