Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 12 (Dezember 1919)
- Article
- Ungarn und die Juden
- Date
- 1919-12-01
- Page
- 508 (sequence 1)
- Language
- German
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5Ö8 Zm ^ruLicherr Reich ANgar» rurd die Z«deru MM EniZeMUNZ von Berus. Die gegenwärtige ungarische Regierung, an deren Spitze der christlich-soziale Ministerpräsident und' Fabrikbesitzer Stephan Friedrich steht, der die Mederherstellung des ungarischen Königtums anstrebt, sucht ihre Politik dadurch breiteren Massen mundgerecht zu machen, daß si e alle Schuld an dem vorausgegangenen politischen Chaos dem Judentum in dis Schuhs schiebt. Nicht nur dis ungsrifche RäteregieruuK forcksrn such dis Regierung Karolyi, die nach dem Umsturz in den letzten Oktobertagen des Jühres 1918 ans Ruder kam und den KommunWn das Heft in die Hände spielte, soll von Mischen Einftüffm durchsetzt gewesen sein. Mit derartigen Ausstreuungen wird ein doppelter Zweck verfolgt: Dis Unzufriedenheit hra Innern Ungarns, der auch die gegenwärtige Regierung kein Ende zu bereiten vermochte, M risch bewährtem Rezept auf den jüdischen Sündsnbsck abgelerckt werden. Gleichzeitig M aber auch angesichrs der bevorstehenden Friedensverhandlungen - Mischen der Entente nnd Ungarn den Enterckemächien, die in dm Verträgen mit Polen und Rumänien den Schutz der Mischen Minoritäten durch» gesetzt haben, das Judentum als Bannerträger des Bolschewismus verdächtigt werden. Es B wicht unsere Wsicht, uns in die inneren Verhältnisse Ungarns einzumengen.' Da aber Artikel, die den ungarischen Standpunkt blindwütigen Judenhasses Vertreter aus durchsichtigen Gründen auch Eingang in die deutsche Presse gefunden haben, ist eine Zurückführung der judenseindlichen Ausstreuungen auf die geschichtlichen Tatsache» im Interesse der historischen Wchr. heit wohl am Platze. Bor uns liegt ein in deck „Konstanzer Nachrichten" veröfseÄlichter Artikel: „Ungarn, Revolution und Räteregierung", besten Ausführungen nicht unwidersprochen bleiben dürfen. Da wird behauptet, daß Karolyi im Bunde mit 20 Nationalräten, unter denen sich 12 Juden befunden hätten, die revolutionäre Regierung übernommen habe. In der Tat wurde die revolutionäre Regierung von einem Ministerium Karolyi übernommen, dem nur zwei Juden (Sigmund Kunfi als Minister für Bolkswohlfahrt und Oskar Jaszi als NatwnaliLätenMmister ohne Portefeuille) angchörten. Die übrigen Mitglieder des Kabinetts Karolyi, und zwar Handrlsmimster Ernst Garami, Ackerbauminister Barns Buza, Unterrichtsminifter Lovaszi, Finanzminifter Szende, Ernährungsminister Nagy, Kriegs» minister Lindner und Minister des Aeußeren Graf Brtthhanyi hatten mit dem Judentum nichts zu schaffen. Die Exekutive lag schon damals völlig in den Händen «arvlyiS. In der Proklamation, die noch am Revolutionstage erlassen wurde, heißt es: „Die gesamte bürgerliche und militärische Gewalt Ungarns ist in der Hand des Präsidenten der ungarischen Volksregierung Grafen Michael Karolyi". Der Nationalrat, ber ihm zur Seite stand, zählte nicht 20 Mitglieder, sondern eine erheblich größere Anzahl, was schon daraus hervorgeht, daß zu seiner Vollsitzung der Kuppelsaal im ungarischen ReichstaDgebäude zur Verfügung gestellt werden mußte. Das Mi-