Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 11 (November 1919)
- Article
- Der Sinn des Kampfes
- Date
- 1919-11-01
- Page
- 475 (sequence 3)
- Language
- German
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Furchtlos ante;'"«äs 475 Das, worauf es für uns «mkommt, ist einzig und allein dies: weil wir Menschen sind, verteidigen wir uns. Weil wir Juden sind, weil wir täglich im Gebet sprechen: „Herr, die Seels, die du'uns gegeben hast, ist rein" — deshalb dürfen wir keinen Augenblick ver> gessen, daß wir nicht bloß einen Existenzkampf führen, daß wir nicht nur den leiblichen Totschlag von uns abwehren, sondern daß wir den vergiftenden Hauch des Hasses von unserer Seele fernhalten mästen. Und nun kommt — wie ich glaube: sinnvoll — die zweite Antwort zu ihrem erhabenen Recht. Weil über unsere Häupter das Wort der Offenbarung gesprochen worden ist, aus unserem Judentum heraus und in seinem Geiste der Wahrheit kämpfen wir. Rein müssen wir bleiben. Und so „unwirklich" es klingen mag: es gibt nur eine wcchre Hilfe für uns, nur sine Kraft der Erhaltung und des Lebens — die stete, unabgelenkte, positive Arbeit an unserem Judentum. Dies, und nur dies, vermag den Kampf zu adeln, ihn über die menschlich-allzumenschlichen Gefahren hinauszuheben; dies nur macht uns unüberwindlich. Nicht meine ich also, daß wir unser Judentum — fast klingt es wie Entweihung — immer wieder dem Gegner vorführen und vorpredigen, sondern ich meine, daß wir es Vorleben in seiner ganzen Reinheit und 'Größe, wir selber unbesndelt von menschlicher Gemeinheit, die ihre trüben Schlammfluten gegen uns heranwälzt. Das ist die "große Forderung, die diese Zeit erneut an uns stellt. Der Kamps gegen unsere Feinde, bloß menschlich, nur politisch gefaßt, ist Lärm und Gezänk. Ich kenne das „Ja, aber —", das man mir entgegenhalten mag. Aber ich sehe eine Gefahr, tiefer als der Judenhaß mit seinen Pogromdrvhungen. Und ich will — als Jude — nicht, daß die Angst unS erniedrige, und daß der Kampf „ums Glück" oder um die „vitalen Interessen" uns zu blinden Bettlern mache. Hüten wir uns davor, daß wir nicht in uns selber unsere schlimmsten Feinde werden: Ueber Zerr Leichen der Erschlagenen würde der ewige Gedanke schweben, wenn ihre Seelen rein geblieben —, aber die Lebenden wird er verlassen, die das Haßgift selber ergriffen hat! Eine jüdische Legende erzählt uns, daß aus dem Tempel, den die Chaldäer umlagerten, eine Stimme ertönte: „Dringet hinein, ihr Feinde, und kommt herzu, ihr Hasser!' Denn der. der das Haus bewacht, hat es verlaffen!" Hüten wir uns, daß dies Wort nicht an unserer 'Seele zur Wahrheit werde! FrrrchtZss und Lrerr. Zum 25 jährigen Jubiläum der Verbindung im K. S. Sprevia, Berlin. Am 22. Mober jährte sich der Tag zum 25. Male, an dem sich einige wackere junge jüdische Studenten» unter ihnen Oppenheimer, Arnheim, Mainzer, Ballin, Löwe:,stein, zusammentaten, um durch Gründung einer studentischen Verbindung, die ausschließlich JNden ansnahm, dem Antisemitismus an der Berliner Universität Beachtet die Anzeige: ”Gabriel Riesser” Verlag/