Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 11 (November 1919)
- Article
- Der Sinn des Kampfes
- Date
- 1919-11-01
- Page
- 474 (sequence 2)
- Language
- German
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474 Im -tkjchs» Reich selber gehe, ist mt3uise?"C;,uo. Judentum ist ioö -bleibt der Höchsts positive, durchaus MLÄjüdische Wert, welcher mit dem Menschenkampf gegen die Judenhasser nichts gemein hat — nichts als die Worte lügnerischer Behauptungen von seiten Böswilliger, denen um ihres Hasses willen jede Entstellung genügt. Es ist also schon richtiger, bei der ersten Antwort zu bleiben. Wenn es Menschen sind, welche hassen, und Menschen, welche gehaßt werden, so darf gefragt werden, wie es in der Seele dieser Menschen aussieht, w as b er Haß aus ihnen macht. Unsere Feinde interessieren mich in diesem Zusammenhang nicht. Wer um des Zweifels willen, den ich eingangs in die erste Antwort gesetzt habe, möchte ich fragen: können und dürfen wir Juden, die wir als Menschen» als Judenheit, angegriffen werden, uns diesem Kampfe — ich möchte fast sagen: mit Haut und Haar — verschreiben? Es kann nicht bezweifelt werden, daß dann, wenn dies geschieht — und es ist vielfach geschehen — der Haß der Feinde, jeder offene und versteckte Angriff, in der Seele des gehaßten Menschen Gegenwirkungen erzeugt, die fast noch furchtbarer, geistig noch zerstörender sind, als alles, was unsere Feinde gegen uns anwerfen können. Ich meine die Gefühle des Dauergrolls, die Gefühle des Ressentiments, welche lauernd und schleichend die Seele vergiften, alles Edle und Gute in sein Gegenteil verkehren und jede kleinliche Regung in eine „Tugend im Kampf" umlügen. Wenn den Feinden und" leiblicher Not dieses Schlimmste glückt — und es ist menschlich, daß. es glücken kann —, dann erst schärft ihnen der Gehaßte selber die tödlichste Waffe; denn dann wirst der Feind dem Juden die Krankheit vor, die er selber in ihm erzeugt hat: mit einer Teufelei, die sich höhnend in den Mantel wissenschaftlicher Psychologie vermummt, mit kühlem, vernichtendem Lächeln' zitiert man Nietzsche-Worte gegen den Juden und nennt ihn den „Erbpächter des Ressentiments". Abgesehen von dieser seelischen Schädigung kann der Kampf — als ExistenAarnpf — eine Wirkung aüsüben, die uns von unserem jüdischen Wege ablenkt. Wir wurden in eine Zeit hinein emanzipiert, deren Kennzeichen in jeder Beziehung immer deutlicher der Materialismus geworden ist. Wir haben uns dem Idealismus unserer Väter, ihrer positiven Drseinsarbeit, entfremdet und sind dazu gelangt, fast ausschließlich um Materielles mit materiellen Mitteln zu kämpfen; ich sage nicht, daß wir wirklichkeitsfremd sein müßten, fon*. dern, daß in unserem Verhalten zur Welt eine Verschiebung stattgesunden hat, daß höchste Werte ihren Rang verloren haben und andere herrschend geworden sind; der Sinn unseres Lebens hat sich dadurch verdunkelt, und so mußte zugleich der Sinn des Kampfes , unklar werden. Wenn auch hier eine „Anpassung" an unsere Feinde, eine Zeit-Infektion eingetreten ist, dann mag es geschehen, daß ein „Sieg" uns mehr Schaden als Heil bringt. Daran wird gär nichts geändert, wenn wir als politisch irgendwie geartete „Gesamtheit" kämpfen; nur Unser Eigenstes, Wesentliches gibt Ziel und innere : Richtung. Soll der Kampf nicht — im allerletzten Verstände Nebensache bleiben, so muß wieder erfaßt werden, daß unser Sinn nicht im Bereich der nur realen Zweckhastigkeit liegt.