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Im deutschen Reich · 1919-11-01 · Heft 11 (November 1919) · p. 466

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 11 (November 1919)
Article
[Ohne Titel] / K. A.
Date
1919-11-01
Page
466 (sequence 4)
Language
German
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' Wenn man dieses nndi-'arekes andere in der antisemitischen Bewegung hört und' sieht, dann könnte man meinen, daß es diesen Leuten aus nichts anderes ankomme, als unser schwergeprüftes deutsches Vaterland um den Rest des Ansehens, den "es noch in der Welt genießt, zu bringen. Wir wissen, daß wir der Unkultur und der Barbarei geziehen werden, und daß die Völker der Erde, die in früheren Jahren aus unseren Schulen, aus unseren Universitäten ihre Wissenschaft geschöpft haben, aus uns heute als ein Volk dritten Ranges mit beispielloser Verachtung herabsehen. Erkennt man nun aber, wie seitens derer, die bis dahin die Führung im Lande hatten, eine solche Menschenhetze betrieben wird, dann ist man versucht, zu fragen, ob denn nicht unsere Feinde doch ein wenig recht haben. Welches Volk könnte so frevelhaft sein, in einem Augenblick höchster Not, in einem Augenblick, in dem die Zusammensastung aller Kräfte die einzige Rettung bedeutet, Dinge zu tun, die für den Wiederaufbau wertvolle Kräfte zu vernichten und außer Tätigkeit zu setzen imstande sind. W e r A u g e n hat, der sieht, daß die antisemitische Hetze der Verachtung des Auslandes uns gegenüber neue Nahrung zuträgt. Soll es bei uns soweit kommen, wie es in Wien gekommen ist, wo zweimal bereits die Vertreter der Entente Vorstellungen wegen antisemitischer Kundgebungen erheben mußten? Der Vertreter der Vereinigten Staaten, Mister Halsten, erklärte am 25. September dem Staatskanzler Renner, er wurde es bedauern, wenn von gewissen Elementen zu Judenverfolgungen getrieben werde, weil dadurch die Meinung der Vereinigten Staaten gegen Deutsch-Oesterreich beeinflußt werden müßte. Wir haben wohl noch nicht genug Demütigungen von unfern Feinden erfahren? Sollen wir auch noch diese Schmach, daß uns die Entente warnt, unser Ansehen durch Vorgänge im Innern des Landes nicht noch tiefer sinken zu lasten, auf uns laden? So sieht die Kulturwelt den Antisemitismus an. Wir führen das nicht an, um zu betonen, daß wir uns in unfern Handlungen von dem Urteil des Auslandes beeinflussen lasten sollen. Aber wir mußten einmal auch aus die außenpolitische Seite des Antisemitismus mit aller Schärfe eingehen. I m Innern fü'hrt er zur Zersetzung der Kräfte, nach außen führt er zur Herabwürdigung des deutschen Namens. Das ist das Ziel des Antisemitismus, der von den Leuten betrieben wird, die das Recht für sich in Anspruch nehmen, allein den Begriff „Vaterland" gepachtet zu haben. K. A.

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