Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 11 (November 1919)
- Article
- Kamorra
- Date
- 1919-11-01
- Page
- 457 (sequence 2)
- Language
- German
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Kamorra 457 Kein offner Hieb in offner Schlacht — es fällen die Nücken und Tücken, es fällt mich die schleichende Niedertracht der schmutzigen West-Kalmücken! Leute wie Knauer, Marten, Kunze und Konsorten kann man sich in der Tat ganz gut als Kamorristen vorstellen; zum Erkennungszeichen könnten sie etwa statt der beiden Messer, die man in Neapel trug, den berühmten Gummiknüppel verborgen im Gewände führen. Allerdings, wenn der oben wiedergegebene Rat des „Schutz- und Trutz-Bundes" befolgt werden soll, nur „zu innerem Gebrauch", da ja die, Berührung mit Juden sozusagen abgeschafft werden soll! Hört und liest man, was gewisse Antisemiten sich in Wort und Schrift alles leisten, so begreift man in der Tat, daß es für sie sehr geraten ist, sich jüdische Kritiker nicht zu nahe rücken zu lassen, die es vielleicht fertig bekämen, gar zu offensichtliche Lügen und Verdrehungen richtigzustellen. Etwa wenn die Herrschaften ihren andächtig lauschenden Zuhörern erzählen, daß der Jesuitenorden eine jüdische Gründung und Einrichtung ist! Oder wie Pastor Arnold aus Dessau, der am 26. September auf einem „Familienabend" der Deutschnationalen Volkspartei in Hecklingen unter anderem auch den Unsinn auskramte: der Lederhandel sei freigegeben worden, weil die Juden das Geschäft in Händen haben! Redet der Mann nun wider besseres Wissen, oder ist ihm wirklich ganz unbekannt geblieben, wer sich für die Freigabe des Lederhandels ins Zeug gelegt hat? So mag er erfahren, daß dies alles gute Christen gewesen sind, nämlich die Mitglieder der Nationalversammlung: Astor, Bergmann, Diez vom Zentrum; Gothein, Hermann (Württemberg) von der Deutschen.-demokratischen Partei; Wetzlich von den Deutschnationalen; vr. Hugo und Dusche von der Deutschen Volkspartei! Man erkennt daraus, wie trüb die Quellen sind, aus denen die antisemitische „Aufklärung" fließt. Wie weit die kamorristische Verlogenheit geht, ersieht man .am deutlichsten aus der „Literatur", die von den Antisemiten vertrieben wird. Von unzähligen Beispielen greise ich eins heraus: ein Buch, das den Titel führt: „Die jüdische Ab - s chlachtung von 75 000 Judengegnern!" Es ist sonst nicht meine Art, nach behördlicher Hilfe zu rufen. Aber angesichts derartiger hetzerischer Leistungen fühlt man sich doch versucht, dem Staatsanwalt die Anregung nahezulegen: er möchte gütigft einmal nachzahlen, ob die Inden nicht doch vielleicht nur 74 999 Feinde abgeschlachtet haben! Ueberhaupt die antisemitische. Literatur und Presse! Als die Deutschnationale Volkspärtei am 16. Oktober eine Tagung ab-