Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 11 (November 1919)
- Article
- Jugend
- Date
- 1919-11-01
- Page
- 456 (sequence 4)
- Language
- German
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Zur deutschen Reich 4M Jugend', aber auch deren „Angst" zum Ausdruck gekommen sei. Sollte nicht die Angst der „Deutschen Tageszeitung" ihr diese Worte diktiert haben? Warum hatte sie sonst ihren Bericht mit den Worten überschrieben: „Eine ernste Verwarnung an den Antisemitismus"? Ja! Eine ernste Verwarnung an den Antisemitismus war jene Kundgebung in der Tat. Unsere Gegner mögen gesehen haben, wie stark der Wille der jüdischen Jugend ist. Sie mögen gesehen haben, Laß die Gesamtheit der deutschen Juden, die sest in ihrem Heimatlande wurzelt, nicht länger gewillt ist, sich beschimpfen zu lassen. Die Jugend hat gesprochen! Ihr Wille werde zur Tat! Die Tat aber ist der Kamps gegen alles, was den Judenhaß predigt und in ihm lebt. K. A. KsMsrrs. Von Georg Davidsohn-Berlm. Die hohen Feiertags sind erfreulicherweise vorübergegangen, ohne in Berlin oder sonstwo in Deutschland die von einigen Schwarzsehern gefürchteten Pogrome oder pogromartigen Hetzen zu bringen. Das war vorauszusehen; denn seit jeher haben die Radau- und Pöbel-Antisemiten solche Unternehmungen ängstlich gemieden, bei denen persönlicher körperlicher Mut zu bekunden und unter Umständen eine gehörige Tracht Prügel zu beziehen war. Dagegen sind sie immer groß und tüchtig gewesen im Maulheldentum. Keinen Juden ungeschoren zu lassen, bei jeder Gelegenheit, zu jeder Zeit, an jedem Orte die ramponierte Fahne des Antisemitismus auszubreiten, das galt bisher stets als erste und vornehmste Pflicht eines jeden, der zur antisemitischen Lehre steht. Jetzt scheint es auch damit anders werden zu sollen. Liegt doch vor mir ein neidgelber Handzettel des „Deutschen Schntz- und Trutz-Bundes", in welchem den Männern und Frauen deutscher Abstammung folgende neue Taktik empfohlen wird: In Gegenwart von Juden keine Unterhaltung über ihre Gefahr für das Deutschtum! Geht Juden und Judengenossen aus dem Wege! „Lernt schweigen, beobachten und handeln!" Welche Bedeutung das Wort „handeln" in diesem Zusammenhang hat, darüber kann wohl nicht der geringste Zweifel obwalten. Die Antisemiten von der Richtung „Deutscher Schutz- und Trutz-Bund" scheinen eine Art Kamorra gegen die Juden ins Werk setzen zu wollen.