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Im deutschen Reich · 1919-11-01 · Heft 11 (November 1919) · p. 454

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 11 (November 1919)
Article
Jugend
Date
1919-11-01
Page
454 (sequence 2)
Language
German
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454 Jur demschsN Reich leider noch gleichgültig beiseite und wollen oder können nicht ernennen, wie schwer die Not ist, die auf uns.lastet. Gerade deshalb aber halten wir diese Kundgebung der Jugend sürsso bedeutsam, weil sich in der Jugend am reinsten und klarsten die Empfindungen widerspisgeln, die eine Hetze, wie diese nun betrieben wird, auslösen kann. Der ehemalige Feldgeistliche, der ehemalige Soldat, die Krankenpflegerin, sie alle riefen hinaus, daß einst draußen im Felde, als der gemeinsame äußere Feind uns bedrohte, man nicht fragte, ob es der Jude oder Christ sei, der sich in den Dienst des Vaterlandes stellte. Damals war jebe Hilfe erwünscht und jeder Helfer gleich /gern willkommen. Heute hat man vergessen, was die deutschen Juden dem Vaterlande geleistet haben. Vernichtung schwört man ihnen zu! Und was weiter an jener Kundgebung bedeutsam war, ist dieses: Trotz aller Verachtung, die man den Treibern der Hetze zollt, es bleibt die Liebezum Deutsch en H eim.atslande. Mögen die Antisemiten auch noch so sehr alle Mittel anwenden, um uns in unferm Innersten zu treffen, die Liebe zum Vaterlande können sie nicht aus unserm Herzen herausreißen. Wir -würden wünschen, daß die tiefe Wirkung jener Kundgebung nicht auf die Zuhörer beschränkt bleibt, sondern daß sie sich fortPflanZL durch das ganze Reich, daß sie sich fortpflanzt überall dahin, wo deutsche Juden wohnen und unter der Wucht des Antisemitismus leiden. In den letzten Wochen haben wir immer und immer wieder betont, daß unser Kamps nur dann von Erfolg begleitet sein kann, wenn die Jugerw gewillt ist, mit uns gemeinsam zu arbeiten. Die Antisemiten haben von jeher mit besonderer Vorliebe die Agitation unter der Jugend betrieben. Niemals — so scheint es uns — ist diese Agitation von einem größeren Erfolg begleitet gewesen als heute. Die deutschnationalen Jugendvereine, diese Brutstätten einer wilden antisemitischen Gesinnung, nehmen täglich an Mitgliederzahl zu. Aus den deutschen Universitäten hat sich der Judenhaß so tief wie nie eingewurzelt; die studentischen Korporationen glauben ein Hört reaktionärer Anschauung sein zu müssen und öffnen daher der antisemitischen Hetze weit ihre Pforten. Wir wissen nicht, wohin die Dinge gehen werden, wenn auch unter der kaufmännischen Jugend der Antisemitismus sich ausbreitet, und wenn auch durch Angestelltenräte und Betriebsräte ein Einfluß auf die Besetzung der kaufmännischen Stellen ausgeübt werden kann. Auf diese Dinge müssen wir unser besonderes Augenmerk richten. Wie aber können wir hier erfolgreich wirken, wenn

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