Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-10-01
- Page
- 430 (sequence 11)
- Language
- German
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430 Im deutschen Reich Pflichttreu und ist zum Mindesten nicht schlechter als die anderen, von den Klammern eines Staates umfaßten Völker. Die Sehnsucht nach Besserem und Edlerem wird bleiben, auch dann, wenn Juden und Deutsche sich in der Schule des Leidens genähert und aus der gemeinsamen Schnittfläche den A'Usgangsweg zur allgemeinen Völkerversöhnung gefunden haben sollten. Es gibt hienieden nichts Vollkommenes. Die Sehnsucht stirbt erst mit dem Tode, und das ist gut so. So hat die Sehnsucht nach schöneren Bezirken Georg Hermann und viele Tausende sich wieder auf ihr uraltes Heimatland, auf ihr Judentum besinnen lassen. Ural Sehnsucht überwirft das harte Werktagsleben mit bunten Kränzen, vermindert den Druck von Sorgen, beflügelt den Dichter, der dann zwitschernd singt: Kleiner Vogel Kolibri, Kleines Fischchen Biridi, Fliegt und schwimmt voraus und zeiget Uns den Weg nach Bimini. Wir alle streben aus der Unvollkommenheit der Umgebung unh unser selbst nach dsm Eiland unserer Sehnsucht. Die Wege dorthin sind verschieden, aber ich glaube, daß unser Weg und der des Georg Hermann gar nicht so verschieden sind, wie er und seine Meichgesirmteu glauben. Hermann gehört zweifellos zu uns. * Noch ein kurzes persönliches Abschiedswort; denn dies ist die letzte Nummer, die unter meiner Leitung erscheint. Im Hauptberuf an einer politischen Tageszeitung überlastet, konnte ich die Redaktion nur nebenher mit einem Rest von Zeit, manchmal mit einem Rest von Kraft führen. Sie wird nun wieder, wie bis zum Tode 'Abphonse Levys, im Hauptberuf geleitet werden und kann dadurch nur gewinnen. Daß unsere Zeitschrift den Freunden eine Freude, den Feinden ein Aergern ist mein Wunsch. WSgrschlsfsc« am!, Oktober.) Eine neue Taktik -er rrW Daß manche Juden der Artsicht sind, das Betragen der Glaubensgenossen sei eine Ursache für das Aufflammen des Antisemitismus, ist uns leider bekannt. Dütz wir Juden aber durch Skandalszenen, durch von uns angestiftete Prügeleien den Antisemitismus erst hervorgerufen haben, ist uns, vollkommen neu. Diese überraschende Feststellung trifft nun über die „Deutsche Tageszeitung" in zwei Artikeln, die sich in ihren Nummern vom 17. und 24. August unter der lleberschrift „Die Judenfrage" und „Die Juden und die