Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 10 (Oktober 1919)
- Article
- [Ohne Titel] / J. Sch.
- Date
- 1919-10-01
- Page
- 429 (sequence 10)
- Language
- German
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Umschau 429 Hinaustragen ließ,, -und fcßna von dem Eroberer, der ihm einen Wimsch frei stellte, am nichts andeves -bat, als «m die Erlaubnis, irr Iavne ein Lehrhaus erösfnm zu dürfen. Der Körper des Judentums war tot, der Geist blieb Lbendig; und dieser Geist, der von der Schute in Jabne ausging, hielt das Judentstrn trotz Berfolgung und Unterdrückung frisch und jung und ließ es andere Völker, die in MachrsüLe strotzten und von Erobererkraft fast barsten, überleben. Die Juden, verachtet und beschmutzt, mit gelbem Ringe am Gewand, angespuüt und gefoltert, blieben in ihren engen Ghettotzasseu frisch, aufrecht und stolz. Neben dem notwendige« Daseinskampf des einzelnen galt ihr Streben der Reinheit und Unversehrtheit der Lehre, dem Eindringen in die Labyrinthe des Talmud. Es wurde ein Volk der Denker und Dulder. Die Deutschen wurden das Voll der Denker und Dichter genannt, bis Deutschland rin aufstreboMer, wohchabender Staat wurde. Jetzt ist es von der Höhe gestürzt, wird mühsam durch die Wirbel des Völlerhafses rudern müssen. Das Unglück wird släutern^mch auch das deutsche Volk wird ein Voll der Denker und Dulder werden. Das Volk? Was weiß, so wird mancher höhnisch einwenden, das deutsche Volk von Goethe und von Kant? Es führt sein Triebleben, Tag für Tag, Nacht für Nacht. — Ja, was weiß das jüdische Volk von seinen Denkern und Sängern? 1M> doch ist es in der harten Leidensschule geistig gestiegen, sittlich geläutert. Und was weiß das französische Volk, das englische, das amerikanische, das italienische von den Schöpfungen seiner Großen? Üebcrall ist Volk Volk. Unter Hundert ein Tüchtiger, unter Tausend ein starker Charakter, unter Zehntausend ein Talent, unter Hunderttausend ein Führer größeren Formats, unter Millionen sin Genie. Die geistig und ethisch Hohen fühlen sich immer vereinsamt und wurzellos. Sie werben Führer des Botts, häufig erst in Jahrzehnten, oft erst nach ihrem Tode. In hartem Boden wahrt es lange Zeit, bis hineingefenfte Samen ausgchen. Aber das Hat mir unserem Thema wenig zu schaffen. Ich spreche nicht von Ausnahmen, sondern vom Sfeol! im Durchschnitt. Nicht vom Standpunkt des JMvidualisten, des Aristokraten, des empfindsamen Romantikers, (denen selbst im klassischen Griechenland der Schönheit das Volk wegen seines Zwiebelgeruches widerlich war), des enttäuschten unddarum unbewußt ungerechten inteWktuellen West-Juden darf man Volkstum und Entwicklung zu beurteilen suchen. Das deutsche. Volk in seinem Durchschnitt ist sachlich und nüchtern, arbeitsam und Beachtet die Anzeige; "Gabriel Messer” Verlag!