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Im deutschen Reich · 1919-10-01 · Heft 10 (Oktober 1919) · p. 419

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 10 (Oktober 1919)
Article
Juden und Kriegsgesellschaften - eine Statistik
Date
1919-10-01
Page
419 (sequence 2)
Language
German
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Jrrden und KriegsgesLÜschaftLU — eine Statistik 419 nicht versagt hat; mit der Lebensmittelorglmrsation und ihren Kriegsgesellschaften hat Rathenau nicht das Mindeste zu tun gehabt. Diese wurden von den verschiedensten Reichsämtern in die Hand genommen, verspätet, zersplittert, nach mechanischen und bureaukratischen Grundsätzen; deshalb hat sie versagt. In seinem kürzlich im Verlag £>. Fischer, Berlin 1919, erschienenen Büchlein „Kritik der dreifachen R^olBtions-Apologi-e" hält Rathenau/ 'Abrechnung mit seinen Widersachern und setzt sich auch über diese Punkte mit ihnen auseinander'. Die geistvolle, gedankentiefe, bei aller Sachlichkeit durch die Wärme der Sprache, die Persönlichkeit des Verfassers dem Leser näherbringende Schrift sei allen empfohlen, die den Mann, über den man um so mehr sprach, je wemger man seine Werke kannte, verstehen lernen wollen. Nachdem der Name Rathenau im antisemitischen Orchestrion keine Wirkung mehr auslöste, zog man das andere Register: die Mär der Verjudung der Kriegsgesellschaften. Man überbot sich in Zahlen und Prozentsätzen, wähnend, daß es dem Gegner unmöglich sei, derartige wohlfeile Behauptungen zu widerlegen. Auch hier blieb der Erfolg nicht aus: Das Mißtrauen der Bevölkerung bei der an sich schon bestehenden und begreiflichen Unbeliebtheit der Kriegsgesellschaften wurde erweckt, die Aufmerksamkeit der Behörden auf die angeblichen Mißstände'gelenkt. Die berüchtigte Judenstatistik in den Kriegsgesellschaften eine Vergewaltigung des konfessionellen Burgfriedens' sondergleichen, wurde von der Militärbehörde in Szene gesetzt, und es wird, so gerechtfertigt an sich die Sistierung derartiger Machinationen gewesen sein mag. bei manchem heute aufrichtiges Bedauern auslösen, daß die Statistik, nachdem sie schon einmal böses Blut gemacht hatte, nicht durchgeführt wurde. Denn ihre Einstellung wurde von unseren Gegnern, als ein Produkt der Angst vor dem Ergebnis gedeutet. Und so treibt die Lüge weiter Früchte am Baume antisemitischer Schamlosigkeit, derart, daß sogar Freunde unserer Sache schwankend werden, da. ihnen jedwede Handhabe zur Widerlegung der Angriffe fehlt. All denen sei gesagt, daß die Behauptung, der größte Teil der führenden Personen in Kriegsgesellschaften bestände aus Juden, ins Reich der Fabel und der Lüge gehört.' Im Gegensatz zu den Verleumdern'spielen wir. mit offenen Karten und geben jedem-die Möglichkeit, unsere Angabe nachzuprüfen: Das amtliche, während des Krieges nur zum vertraulichen Gebrauch bestimmte Verzeichnis d-er gesamten Kriegsorganisationen nach dem Stande vom 1. Februar 1918 weist insgesamt 258 Reichsämter. KriegsgesellsHaften, Ausschüsse, Verbände, Kommissariate, Zweigstellen, Sutachterausschüsfe usw. auf. Die Zahl der leitenden Persönlichkeiten, denen zum Teil mehrere Stellen zugleich unterstehen, der Kommissare, Vorstände, Direktoren, Geschäftsführer, Prokuristen usw., beträgt insgesamt 563. Bon diesen 563 Personen, die das gesamte Kri-easwirLschastsnetz beherrschen und geistig durchsetzen, sind nach einer peinlich' genauen Statistik 454 — 80,7 Prozent unzweifelhaft Christen, 54 — 9,6 Prozent Juden. Von weiteren 55 Personen — 9,7 Prozent hat sich mit

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