Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 9 (September 1919)
- Article
- Ueber die Berufsberatung der Juden
- Date
- 1919-09-01
- Page
- 388 (sequence 4)
- Language
- German
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338 Im deutschen Reich Berufe und Menschen kennen lernen, man wird auch ihn kennen und verstehen lernen, und dadurch wird viel Haß und Mißverständnis überwunden werden können. Er« WLischer Veteran. In Nienburg (Hannover) starb anfangs Juli d. I. ein jüdischer Veteran von 1866 mit) 1870, Georg S t einb e r g , der .„alte Steinberg", wie er feit Jahren in seiner Stadt hieß, fast 80 Jahre alt. Mit ihm ist ein kerniger deutscher Jude dahingegangen und ein „Poet dazu". Noch im Königreich Hannover hat er als Jäger gedient, als Hcmnoveran-er bei Langensalza mitgetämpst. „Er machtedie 'Schlacht im 3. -Jägerbataillon mit. Durch sein todesmutiges Vorgehen bei der Aufklärungsabteilung, bei der er mit . seiner Patrouille als erster— vis an den Hals im Wasser — unter feindlichem Feuer die Unstrut durchwatete, lenkte er nicht nur die Aufmerksamkeit seiner eigenen Offiziere, sondern auch die der Offiziere arwerer Truppenteile auf sich." So schreibt über ihn die hannoversche .,Deutsche Volkszeitung". ’ Und ferner: „Trotzdem Steinberg politisch nicht auf unserem Boden stand, bewahrte er persönlich innige Anhänglichkeit an seinen Kriegsherrn und an die ruhmreiche hannoversche Armee." Sein Kriegsherr, der blinde König Georg, hat seiner auch nicht vergessen. Dem jungen Jäger war er einmal begegnet und hatte ihn aufaefordert, in seiner Armee zu kapitulieren. Steinberg lehnte dies, ab mit dem Hinweis aus sein jüdisches Bekenntnis. Der König musßte die Begründung gelten lassen, nicht ohne ein Gefühl der Hochachtung vor dem Bekenuermul des jungen Mannes. Nach Jahren noch hat er sich seiner erinnert. Von Hietzing bei Wien sandte er. der Verbannte, seinem ehemaligen Jäger Steinberg Grüße durch einen alten hannoverschen Soldaten. - •. Bekannt wurde Steinberg. besonders in seiner engeren Heimat, durch seine Poetischen. Werke. . KriogZerleörnsse, ..Erinnerungen eines hannoverschen Jägers", machten ihm zuerst einen Namen. Später folgten Gedichte und Erzählungen,, auch in niedersächsischer Mundart. 1913, als 73jähriger. trug er bei den Festspielen anläßlich der .Hundertjahrfeier der Bestei'ungskriege, als österreichischer Dragoner von 1715 kostümiert, seinen .Prinz Eugen" vor. Rührend war seine Heimatliebe. Er war und blieb ein treuer, anhänglicher Sohn seines Landes, dem er nicht, wie viele andere,-im Alter den Rücken kehrte, um seine Tcrhe in einer großen Stadt zu beschließen. Besonders schön hat er i ferner Liebe Ausdruck gegeben in einem Briese an Felomarschall v. Mackensen/ Der Stammsitz der Familie des Marschalls. Mackensen am Solling, war sein Geburtsort. Stolz und ausrecht aber hat er dabei immer sein Judentum betont. Manche Anekdote, manches drastische Wort ist darüber bei seinen Mitbürgern lebendig geblieben, die den alten Steinberg auch als Juden schätzten und ehrten. Seine Patriarcheugestalt mit dem wallenden Bart war bekannt und beliebt bei allen. Als echter Poet hat er, obwohl Kaufmann, keine irdischen Schätze gesammelt. Schlicht und recht, als einsaeher Bürgersmann, hat er bis zu seinem Ende gelebt. Dafür zeichnete ihn ein köstlicher Humor ans, der ihn, vorausschauend, von sich selbst einmal sagen ließ: Er starb mit leerer Tasche — Friede seiner Asche! — .. ... Möge er. in'der Heimaterde sanft schlummern, dieser kernige Mann, dieser eHte deutsche Jude fir. I.