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Im deutschen Reich · 1919-09-01 · Heft 9 (September 1919) · p. 369

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 9 (September 1919)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1919-09-01
Page
369 (sequence 3)
Language
German
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Umschau S69 gegen das Volk) verändert worden, den Kampf gegen das Judentum als 'wirksamste Waffe für ihre reaktionären Bestrebungen und als wirksamsten Schutz gegen die eigene Verfolgung wegen ihrer Schuld am und im Kriege mit einem zirkusähnlichen Tamtam führen. Sie verfügen in ihrem Kampf gegen das „jüdische Kapital" — genau wie zu Kriegszeiten — über verblüffend hohe Geldsummen, womit sie indirekt beweisen, daß das Kapital von Kriegsgewinnern zum allergrößten Teil auf ihrer Seite lagert. Die Kriegsverwilderung hat viele Deutsche verseucht, die vorher empfindsame Moralbegriffe hatten. Bei den Antisemiten bedurfte es dieser seelischen Kriegsverwilderung nicht; sie war schon immer vorhanden. Aber die Erlösung von der Zensur, ein Geschenk der Freiheit, wurde von ihnen benutzt, um mit potenzierter Verwilderung, mit einer Robustheit sondergleichen, mit einem erschreckenden Mangel an Wahrheitsliebe und in übler Gemeinschaft mit der Lüge Stinkbomben zu ballen und Schmutzpräparate zu fabrizieren. Die Agitatoren leisten, während ihre Auftraggeber im schützenden Dunkel bleiben, Stallknechtsarbeit im Gewände von Aposteln des wahren Deutschtums, das aber in ihrer Verzerrung den Kannibalen näher steht als den Germanen. . . ■ i . Es scheint, daß sich die Woge bereits überstürzt. Leider aber erst, nachdem sie schwer gut zu machende Verheerungen angerichtet, nachdem die Alldeutschen, Konservativen und Antisemiten das kranke, das mit durch ihre Schuld krankgewordene Deutschland in noch hitzigere Fieberzustände versetzt haben. Die gesünderen Elemente des Volkes blieben von den Fieberdelirien verschont, bewahrten sich den nüchternen Blick, verfielen nicht in Amok-Läufertum. Die Widerstandsfähigeren fangen an, sich zu erholen, sich die Augen zu reiben und die Deutschlandretter als das zu erkennen, was sie schon während des Krieges waren: als Verderber Deutschlairds, als Geschäftspolitiker, als Jnteressenjäger, mit jenen üblen Eigenschaften behaftet, die sie, dem Kuckuck ähnlich, der stets seinen eignen Namen ruft, den Juden vorwerfen, angefangen von der Gier nach Geld, über das Drückebergertum hinweg, bis zu jenem besonderen Geruch, den die Nachkommen Sems haben sollen und der von i h n e n in penetranter Weise ausgeht. Eine. Monatsschrift kann den einzelnen Ereignissen nicht so folgen, wie sie möchte. Am wenigsten in Zeiten, in denen fast jeder Tag neue antijüdische Geschehnisse bringt, fast täglich neue Verleumdungen erfunden und verbreitet werden von den vielen antisemitisch gerichteten Blättern, die in Berlin allein an Zahl die der „jüdischen" weit überwiegen. Doch mit der ihnen ange-

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