Im deutschen Reich
- Journal
- Im deutschen Reich
- Volume
- 25 (1919)
- Issue
- Heft 9 (September 1919)
- Article
- Bemerkungen aus der Soziallehre der Bibel
- Date
- 1919-09-01
- Page
- 358 (sequence 2)
- Language
- German
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858 Im deutschen Reich sie . ein. um die Grundlshre ihres Sozialismus zu verkünden: Es ist -ein' Gott. Gott der Herr schafft und erschafft alles, alles vom Tautropfen, der -am Grashalm zittert bis zum Meere, das mit wogendem FluLenarm die Erde umspannt, was sich auf ihr regt und bewegt, alles ist dem einen UuserwählLen übergeben, dem Menschen, der GotLgleichheit in sich tragt und deshalb aller Naturgeb und euh eit gegenüber frei ist. Und was ist seine Bestimmung und damit der Zweck der Schöpfung? Die Arbeit?! nein! und tausendmal nein! Arbeit ist nur Mittel. Die Feier! als die Freiheit in Gott. Darum ward der Akt der Schöpfung mit dem Tage ber Feier gekrönt. Natur kennt keine Feier, aber der Mensch, der mit Seele, mit Bewußtsein begabte, er will, er mutz seiner Seele, seines Seins, seiner Würde, seiner Freiheit, seiner Gotthörigkeit und Unabhängigkeit Von der Erde und ihren Schlacken sich bewußt werden: weil Gotr ist, weil er Möglichkeit zum Göttlichen — Gortebenbildlichkeit — in sich trägt, will er Gott erleben. Der Sabbat gibt diesem Gedanken Wirklichkeit. Er ist d-as einjschneidendste, revo'lutionierendste Gesetz der fokalen Menschheit, er ist der erste, unvergänglichste Adelsbrief der Menschheit, den Hellas und Rom, von allen früheren Staaten zu schweigen, nie gekannt, erkannt und anerkannt haben, der im Prinzip schon vor Jahrtausenden alle Sklaverei beseitigte. Ist er doch einmal direkt mit den Worten begründet: damit ruhe dein Knecht und deine Magd gleich dir. Schon seinetwegen verdiente Israel von der Menschheit als Volk Gottes anerkannt zu werden. Mit Bezug auf den Sabbat sagt der amerikanische Na- Lionalokonom Henry Georges in einer Rede in Glasgow: „Das einzige bis auf diesen Tag, was zwischen unsern arbeitenden Klassen und Frondienst ohne Unterlaß steht, ist eines dieser mosaischen Gesetze. In der politischen Oekonomie ist nichts klarer erwiesen, als daß unter den heutigen Verhältnissen die Arbeiterklasse für siebentägige Arbeit nicht mehr Lohn bekommen würde, als sie jetzt für die sechstägige bekommt, und es würde ihr gerade so schwer fallen, die Zahl der täglichen Arbeitsstunden zu reduzieren wie jetzt. Daß da ein Tag in der Woche ist, den der Arbeiter für sich beanspruchen darf — ein Tag in der Woche, an dem der Hammer schweigt und der Webstuhl still steht, das ist dem Judentum zu verdanken, dem Gesetz, das in der sinaitischen Wüste entstand. Und wer, der die Verschwendung an Produktivkrast betrachtet, kann zweifeln, daß die moderne Gesellschaft nicht nur glücklicher, sondern auch reicher wäre, hätten wir wie den Sabbattag auch die wundervolle Idee des Sabbatjahres übernommen. Der Geist der Bibel hat Throne gestürzt und Priesterherrschaft niedergeworfen. Er stärkte den schottischen Covencmter in schweren Stunden und hieß den Puritaner ausharren in Schnee und Eis eines fremden Landes. Das Leben Mosis ebenso wie seine Gesetze sind ein Protest gegen.jene lächerliche Lehre, die heute sowie vor 3000 Jahren im Umlaufe ist, jene Lehre, die oft von christlichen Kanzeln verkündet wird, daß das Elend und die Leiden der Menschen ihren Ursprung haben in einer geheimnisvollen Untätigkeit der BorisHung, die wir wohl beklagen.