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Im deutschen Reich · 1919-07-01 · Heft 7-8 (Juli 1919) · p. 321

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 7-8 (Juli 1919)
Article
Ein neues Antisemitenblatt und sein Herausgeber
Date
1919-07-01
Page
321 (sequence 2)
Language
German
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Gin neues Aniisenritenblatt und fein Herausgeber 821 zu füllen; und sie wird gekauft, wenn man hm rohesten Schimpston arrwendet und seine sensationellen Enthüllungen geschickt in Fortsetzungen bringt, damit der, der den Anfang gelesen hat, doch gewiß aus Neugier auch die nächste Nummer lauft . . . Rotgardisten erschießen im LrritpoLdaymnasium ohne Recht und Urteil 10 Gefangene. Darunter befinden sich sechs Mitglieder der deutschvölkischen Gesellschaft Thule. Sie waren verhaftet worden, weil, sie Soldaten für die Regierun gstrupven angeworöen hatten; das war in den Augen, der Spartakisten Hochverrat an ihrer RäLeregierung. Das erscheint aber dein „Beobachter" kein genügender Erklärungsgrund für die grausame Tat der Spartakisten, nein, er behauptet. sie wurden aus Befehl Judas er m o rdet, weil sie Antisemiten Daren. Daß drei andere dem Antisemitismus ganz fern standen, stört dis kühne Hypothese des „Beobachters" nicht, ebensowenig, daß unter den E r s ch o f f e n e n sogar ein I u d e war: Professor B e r ge r. Das verschweigt der .Beobachter" natürlich; denn sonst könnte der Leser doch auf den Gedanken kommen, wenn wirklich die vom „Beobachter" erdichtete geheime jüdische Organisation den Mord veranstaltet hätte, so hätte sie doch den Juden Berger geschont, so wie auch andere Gefangene kurz vor der Erschießung befreit worden waren. Die Lüge vom Geiselmord als Racheakt der Juden an den Antisemiten zieht sich durch alle Nummern des „Beobachters". Auf gleicher Stufe steht die schamlose Denunziation, die der „Beobachter" freilich nur in die vorsichtige Form einer Frage an Staatsanwaltschaft und Kriegsgericht kleidet, daß die Juden sich durch große Geldz h tüe n b u n ge n an hie Spartakisten von allen Bedrückungen durch diese losg-ekaust, daß zahlreiche Judengeme'inden Beitrüge bis zu einer Million für Spartakus geleistet hätten. Wir brauchen unseren Lesern nicht erst versichern, daß das glatt gelogen ist. Der ..Beobachter" nenne doch nur eine einzige dieser Juden gern ein den. Und wie es mit der Schonung der Juden durch dis Spartakisten aussah, weiß man auch Wir wissen eine Reihe von Juden, bei denen geplündert, andere, die als Geiseln verhaftet wurden, -andere, die sich der Verhaftung durch rechtzeitige Flucht entzogen; wir wissen aus den Verhandlungen vor dem Standgericht gegen ein Mitglied der Verhafttmgskommission,' daß auch gut christliche Leute der Festnahme als' Geiseln durch Schmiergelder an den Herrn V-erhaftungskommisiar entgingen; z. B. gab ein Kommerzienrat Zu diesem Zweck 1206 M. Dieser sehr konservative Herr würde sich mit Recht dagegen verwahren, wenn man diese Zahlung als einen Beitrag für Spartakus bezeichnen wollte. Wer ist nun der Herausgeber dieses SporMattes? Er nennt sich R u d o 'l s v. S eb o t t en d o r s s und tritt unter diesem hochklmgenden Namen auch als Führer des bayrischen Freikorps „Oberland" auf. Wenn ein Antisemitenblatt über Juden die dicksten Unwahrheiten erfindet, so braucht man sich nicht zu wundern, wenn sein Herausgeber auch über sich selber Lügen verbreitet. Gericht und Polizeibehörde haben sich mit seiner Person beschäftigt und, der „Münchener Post" Zufolge", gefunden, daß der Herr v. Sebotteudorff der Sohn eines — schlesischen LotomoLivführers ist. Er darf sich bei Strafandrohung von nun an nur noch Gl au er nennend Die „Münchener Post" schreibt über ihn noch.folgendeR: Seine politische Tätigkeit brachte es mit sich, daß ihm Sammelgelder an vertraut werden sollten, über deren Verwendung bei den unsicheren politischen Zuständen genaue Nachweise nicht gefordert werden konnten. Da überwand „von" SeöotLendorfs die Bedenken des Herrn, der ihm die Gelder übergeben sollte, mit der Erklärung, daß er selbst ein Ver -

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