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Im deutschen Reich · 1919-06-01 · Heft 6 (Juni 1919) · p. 259

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Journal
Im deutschen Reich
Volume
25 (1919)
Issue
Heft 6 (Juni 1919)
Article
[Ohne Titel] / J. Sch.
Date
1919-06-01
Page
259 (sequence 6)
Language
German
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IRI
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Umschau 259 Angesichts b'er Millionsuzahl verhetzender und aufreizender Flugblätter ist die Beschlagnahme von 2000 ungemein dürftig. Auch die Versicherung, daß auch „sonst alles" angeordnet sei, um ihrer Verbreitung auf Straßen ufw. nach Möglichkeit zu begegnen, hat sehr karge Durchschlagskraft; denn die Erfahrung zeigt, daß die bisherigen Anordnungen der Polizeibehörde absolut nicht imstande waren, die Verbreitung selbst blutdürstiger Schandblätter auf öffentlichen Plätzen zu verhindern. Der „Deutschen Tageszeitung" (30. Mai) aber ist selbst diese geringe und selbstverständliche Abwehrtätigkeit der für die Ordnung haftbaren Organe zu viel. Sie beglückwünscht höhnisch das Berliner Polizeipräsidium zu dieser Tätigkeit und wirft ihm vor, daß es gegenüber „Pogromäußerungen gegen die Antisemiten so merkwürdig harthörig ist". — Diese Harthörigkeit hat ihre natürliche Ursache. Man kann nichts hören, was nicht gesprochen worden ist, und man kann nicht beschlagnahmen, was nicht vorhanden ist. Die „Deutsche Tageszeitung" sollte sich ihre neueste demagogische Erfindung, daß die Juden zu Pogromen gegen die Antisemiten aufhetzen, patentieren lassen. Eile tut nicht not, denn es wird ihr kein anderer zuvorkommen. Zu solchen — Erfindungen gehören ethische und moralische Eigenschaften, die glücklicherweise in Deutschland nicht sehr verbreitet sind. * Die Reichswehr soll nach dem Willen der Antisemiten überhaupt möglichst von Juden frei sein; und es ist nur ein plumpes Fechterftück, wenn die antisemitische „Wahrheit" (24. Mai 1919) in Erwiderung auf die Schrift des Rabbiners Dr. Lange- Essen „Juden, Weltkrieg, Revolution" höhnisch fragt, ob denn der Prozentsatz der Juden, die sich zu den FreiwilligenregimentKm melden, im richtigen Verhältnis zu der Gesamtzahl der deutschen Bevölkerung stehe. Die „Wahrheit" will mit dieser ablenkenden Handbewegung die Ziffern des Herrn Dr. Lange über die Verleihung von 900 Eisernen Kreuzen I. Klasse und 17 000 Eisernen Kreuzen II. Klasse an Juden hinter einem schwarzen Zaubertuch verschwinden lassen. Die wahre Gesinnung der Antisemiten zeigt sich in folgender Notiz der alldeutschen, schwerindustriellen „Deutschen Zeitung" vom 17. Mai: Muß daS sein? Die verhängnisvolle Rolle, die das Judentum in unserer gesamten Kriegswirtschaft, vor allem auch bei den Heereslieferungen, gespielt hat, ist allgemein bekannt. Welche Stimmung gegen die Judenschaft diese Vorkommnisse in der gesamten Bevölkerung a-usgelöst haben, darüber worden sich auch Juden und Judenfreunde nicht im unklaren sein. Nach den gemachten Erfahrungen mutz es deshalb w-krklich überraschen, unter einem großen WerbeaufrusderReichswehrbrigade Berlin im Anzeigenteil des „Croffener Tageblattes"

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